Der zuständige bayerische Fachverband war am Auftritt des SPD-Politikers so interessiert, dass er kurzerhand auf die CSU-nahe Stiftung als Mitveranstalter und Mitfinanzier der Tagung verzichtete. Diese hatte den unfreundlichen Akt damit begründet, dass "wegen des Wahlkampfes in Bayern kein SPD-Politiker auftreten" sollte. W ohlgelitten ist bei der CSU hingegen, wen wundert´s, Jörg Schönbohm. Der CDU-Landeschef und Innenminister wurde letzten Donnerstag im Landkreis Schweinfurth mit stehenden Ovationen gefeiert, nachdem er vor 600 CSU-Anhängern heftig gegen die rot-grüne Bundesregierung vom Leder gezogen hatte. Um neuen Ärger mit Regierungschef Matthias Platzeck und der SPD zu vermeiden, die von ihm Mäßigung verlangten, griff Schönbohm zu einem Trick: Um sich notfalls rechtfertigen zu können, versteckte er in seiner Rede viele Original-Zitate von SPD-Genossen, die die Bundesregierung kritisiert hatten. Überhaupt scheint Schönbohm wieder obenauf zu sein, seit die Koalitionskrise beigelegt ist. So nahm er selbst die Entgleisung von SPD-Finanzministerin Dagmar Ziegler, er sei "alt, krank und obendrein eitel", mit Humor. Vor Journalisten rief er seinem Pressesprecher zu: "Homburg, mein Kr&uum l;ck stock!" K einen Spaß versteht Jörg Schönbohm allerdings, wenn es um sein geliebtes Polizeiorchester geht. Trotz Haushaltskrise beantragte er jetzt beim Finanzministerium eine Ausnahmegenehmigung vom allgemeinen Einstellungsstopp, um einen neuen Dirigenten für die 49 Musiker einstellen zu können. Sonst seien "Qualitätsverluste zu befürchten", so die Begründung. "Ich möchte zudem darauf hinweisen, dass das Landespolizeiorchester nicht nur für die Polizei, sondern auch bei Terminen der Landesregierung aufspielt." Das Finanzministerium lehnte trotzdem ab und wird darin von der SPD-Fraktion bestärkt, die den Klangkörper mit dem Berliner Polizeiorchester verschmelzen will. Ihr Vorschlag: "Schönbohm könnte ja selbst den Taktstock schwingen."