Bloß weg aus Deutschland, wie so viele andere Juden ihrer Generation, die in der Ferne die Schrecken des Holocaust hinter sich lassen wollten. Doch Knobloch, die am heutigen Montag 80 Jahre alt wird, ist geblieben. Und sie hat eine tiefe Liebe zu der Stadt entwickelt, auch wenn politische Debatten etwa über ein Verbot der Beschneidung und antisemitische Anfeindungen ihr mitunter das Herz schwer machen. "Ich bin ein Münchner Kindl - durch Geburt, daran kann ich nichts ändern", sagt die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. "Und das ist auch das, was ich fühle."

So harmonisch war das Verhältnis zu ihrer Heimat nicht immer. Als das Mädchen vier Jahre alt ist, verlässt die Mutter die Familie. Sie ist keine Jüdin. Unter dem Druck der Nationalsozialisten reicht sie die Scheidung ein. Fortan ist die geliebte Großmutter für Charlotte da, eine gläubige, elegante und liebevolle Frau. Am 9. November 1938 erlebt die nunmehr Sechsjährige die Pogrome hautnah mit. Sie überlebte den Nazi-Terror in Arberg bei einer Bauernfamilie, deren Tochter sie als ihr uneheliches Kind ausgab. Nach dem Krieg zog sie mit ihrem Vater zurück nach München. Die Großmutter war in Auschwitz ermordet worden.

Statt auszuwandern, begann die Familie, den Juden wieder einen Platz in der Gesellschaft zu verschaffen. Knoblochs Vater wurde Präsident der Münchner Kultusgemeinde, ein Amt, in dem sie ihm 1984 nachfolgte. Sie ist auch Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses und stand vier Jahre lang dem Zentralrat der Juden in Deutschland vor. Eine engagierte, aber auch umstrittene Präsidentin, die sich immer wieder kämpferisch in Debatten einmischte. Nicht immer zur Freude in den eigenen Reihen. Als der Ruf nach einem Generationenwechsel immer lauter wurde, übergab sie 2010 ihr Zentralrats-Amt an ihren Vize Dieter Graumann.

Auswandern wird Knobloch, deren drei Kinder in Paris, Israel und Frankfurt leben, wohl trotzdem nicht - nicht zuletzt, weil sie ihre Heimat so mag. Zudem ist sie stolz auf das, was hier an jüdischem Leben gewachsen ist.