Ein Saxophon-Quartett überbrückt die Wartezeit. Der Moderator begrüßt die "mitkonkurrierenden Parteien", die die FDP-Wahlkundgebung auf dem Altmarkt für ihre Zwecke nutzen. Der TV-Spot des liberalen Spitzenkandidaten Rainer Brüderle stimmt auf das "Nur mit uns!" ein.

Doch all das ist ein seichtes Vorspiel für den Auftritt des FDP-Parteichefs und Vizekanzlers Philipp Rösler. Den lernen die Besucher in der "guten Stube von Cottbus" in einer Form kennen, die für die an der Fünf-Prozent-Hürde kratzenden Liberalen gerade recht kommt.

Der Spitzen-Liberale begrüßt zunächst auch die "lieben Andersgläubigen" und bedankt sich für den "größtenteils freundlichen Empfang". Dann listet er auf, dass Schwarz-Gelb eine niedrige Arbeitslosigkeit, die höchste Beschäftigtenzahl, hohe Wachstumswerte sowie einen starken Mittelstand vorzuweisen habe. All das trage zum Wohlstand hierzulande bei. Zugleich sagt er aber an die Adresse der Euro-Kritiker, die hinter den Sitzreihen ihre Plakate zeigen: "Wer ein Raus aus dem Euro und ein Zurück zur D-Mark will, der gefährdet den Wohlstand in Deutschland." Indem er mehrfach die Vorlagen des FDP-Spitzenkandidaten im Wahlkreis 64 (Cottbus/Spree-Neiße) Martin Neumann aufnimmt, fügt er auch hinzu, dass der Reformkurs in den europäischen Krisenländern vor Ort fortgesetzt werden müsse. "Wir sind solidarisch, aber nicht blöd", sagt Rösler. Den "Lügensack"-Zwischenruf lässt er wie andere an sich abprallen. Um zu kontern, dass "wir es nicht zulassen werden, dass deutsche Steuerzahler für die Schulden der anderen zahlen sollen".

Dann aber nimmt er die Grünen ins Visier. Ihre Steuerpläne seien ein "Generalangriff auf die Mitte der Gesellschaft". Der Finanzminister in spe Jürgen Trittin komme "als böser Räuber Hotzenplotz daher", der nie Verantwortung für Finanzen tragen dürfe. Sodann zitiert er aus einer Liste mit 30 Verbotsforderungen der Grünen und lenkt auf das grüne Wahlprogramm, in dem 583-mal das Wort "müssen" vorkomme. Das sei die "Hausordnung für eine staatliche Bevormundungsanstalt". Der Beifall ist ihm sicher und auch die Zwischenrufe werden leiser, als er sagt: "Wir sind ein freies Land und brauchen keine Super-Nannys Claudia Roth und Renate Künast."