Sie geben sich Namen wie "Elbflorenz", "Karlsbande" oder "Desperados". Das klingt nach Romantikern oder Abenteurern, nicht unbedingt nach gewalttätigen Fußball-Hooligans. Doch ihre Taten sprechen oft eine ganz andere Sprache. Ob solche Gruppierungen künftig als kriminelle Vereinigungen eingestuft werden können, prüft seit Donnerstag der Bundesgerichtshof (BGH).

Das für den 9. Dezember erwartete Grundsatzurteil könnte erhebliche Folgen haben. Denn hat eine Vereinigung eine gewisse Struktur und wird als kriminell eingestuft, stünde eine solche Gruppe gewalttätiger Fußballfans rechtlich betrachtet nicht besser da als ein Mafia-Clan. Allein die Mitgliedschaft in oder Unterstützung einer kriminellen Bande kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden - andere Straftaten nicht eingerechnet, die in einem solchen Umfeld denkbar sind.

Die Strafverteidiger der fünf mutmaßlich rechtsextremen Mitglieder der Dresdener "Hooligans Elbflorenz" versuchten daher alles, um beim BGH den Eindruck einer strukturierten, kriminellen Bande zu zerstreuen. Angesichts der Ausschreitungen rechtsextremer Hooligans in Köln Ende Oktober und der schweren Krawalle am polnischen Unabhängigkeitstag in Warschau äußerten sie die Befürchtung, dass jetzt alle gewalttätigen Fußballfans "in einen Korb" geworfen werden sollten.

Bundesanwalt Johann Schmid sah das anders: Die Gruppe habe sich zweimal in der Woche zum Kampftraining getroffen, Weihnachtsfeiern organisiert und einheitliche schwarze Kapuzenpullover getragen. "Wenn das nicht für Geschlossenheit spricht, dann weiß ich es nicht." Die fünf werden beschuldigt, als Mitglieder der "Hooligans Elbflorenz" - einer kriminellen Vereinigung, wie das Landgericht Dresden 2013 befand - Prügeleien organisiert und 2008 nach dem EM-Halbfinalspiel Deutschland-Türkei aus rassistischen Motiven heraus Dönerstände in der Dresdner Neustadt überfallen zu haben. Die rechtsextremen Motive, die das Landgericht aus zahlreichen Kontakten zur rechten Szene hergeleitet hatte, beschäftigten die BGH-Richter offenbar nicht so sehr. Sie stellten neben der Gruppenfrage nur noch eine weitere in den Mittelpunkt: ob die einvernehmlichen Prügeleien unter Hooligans strafbar sind oder nicht. Konkret ging es um eine organisierte Schlägerei mit den Hooligans aus dem benachbarten Coswig.

Hier wurde es richtig interessant. Denn der Dresdner Strafverteidiger Endrick Wilhelm sprach in seinem Plädoyer stets von einem "Mannschaftsboxen auf grüner Wiese". Solche Kämpfe haben Regeln, das war beim BGH unstreitig: Frauen sind nicht erlaubt, es dürfen keine harten Schuhe verwendet werden, Schläge gegen Genitalien sind verboten, das Nach-treten auf einen am Boden Liegenden ebenso. Kampfrichter gibt es nicht. Diese Kämpfe dauern ein bis zwei Minuten. Ein rein sportliches Kräftemessen also?

Wo der Unterschied zum professionellen Boxkampf sei, fragte Wilhelm weiter und antwortete: "Weil Boxen als Kulturgut angesehen wird und nicht strafbar sein soll." Dabei gebe es dort regelmäßig Tote. Bundesanwalt Schmid zweifelte den Vergleich stark an: "Man rast im Pulk aufeinander zu und fängt an, aufeinander einzuschlagen." Und das alles - im Gegensatz zum Boxen - im öffentlichen Raum, wo Unbeteiligte aus Versehen Zeugen werden könnten. Schmid wies darauf hin, dass es bei den Prügeleien der Hooligans auch zu schweren Verletzungen komme. Einer der Coswiger Hooligans lag bei besagter Schlägerei in einer Blutlache.