Die Deutschen sind Technik-Skeptiker - zumindest in Bezug auf die Cloud-Technologie. Nur knapp 20 Prozent der Bundesbürger nutzen die Speicher des Internets, um Urlaubsfotos, private Filme oder auch Arbeitsdaten abzulegen und per Smartphone oder Laptop überall abrufen zu können. In Dänemark sind es dagegen 44 Prozent. Dies ergab eine Erhebung der EU-Statistikbehörde Eurostat.

Demnach haben deutsche Anwender Angst vor Hackern oder davor, von den Cloud-Dienstleistern ausgespäht zu werden. Experten halten diese Befürchtungen nicht für völlig abwegig. "Ohne die Cloud-Dienste wären Smartphones oder Tablets gar nicht möglich", erklärt Bitkom-Sprecher Andreas Streim. Die mobilen Geräte benötigen den Speicherplatz in der Wolke, da sie selber nicht über genügend Kapazitäten verfügen. Die zahlreichen Anwendungen beziehen hieraus ihre Daten. Die Verbraucher kommen kaum herum, die Datenspeicher zu nutzen.

Apple fordert Käufer seiner Smartphones auf, die Daten in der iCloud abzuspeichern. Auch Nutzer eines Windows Phone müssen sich beim Cloud-Dienst One Drive anmelden. Microsoft bietet neuen Kunden für seinen Dienst One Drive 15 Gigabyte kostenlosen Speicherplatz an. Bis zu 200 Gigabyte für monatlich vier Euro kann der Nutzer im Jahr anmieten. Allerdings sollten Verbraucher auf die Datenschutz-Bestimmungen von Microsoft achten, rät Axel Kossel, Redakteur beim c't-Computermagazin. So lässt das Unternehmen die Daten seiner Nutzer keinesfalls unangetastet.

In den Nutzer-Bedingungen heißt es: "Wir setzen jedoch auch automatisierte Technologien ein, um Kinderpornografie oder missbräuchliches Verhalten ausfindig zu machen, das dem System, unseren Kunden oder anderen Schaden zufügen könnte." Das Unternehmen durchsucht also die hinterlegten Daten, was nach deutschem Telekommunikations-Gesetz untersagt ist. Microsoft kann diese Bestimmungen dennoch umgehen, da seine Daten-Wolken für Europa in Irland abgespeichert sind. "Die Unternehmen sind an die dortigen wachsweichen Datenschutz-Bestimmungen gebunden", sagt Kossel. Er hält deshalb das Versprechen insbesondere der amerikanischen Anbieter, die Daten nur in Europa abzuspeichern, für Augenwischerei. "Für den Verbraucher ist es in der Praxis oft schwierig bis unmöglich, seine Rechte im Ausland durchzusetzen", sagt Sabine Petri, Referentin für Datenschutz bei der Verbraucherzentrale NRW. Sie gibt zu bedenken, dass der Anwender keinerlei Sicherheiten habe, wo und vor allem durch wen und wie die Daten verarbeitet und verwendet werden.

Auch der Online-Händler Amazon lockt mit seinem Angebot Hobby-Fotografen in die Amazon Cloud Drive. Fünf Gigabyte gibt es gratis, danach kann der Nutzer 20 Gigabyte für acht Euro im Jahr hinzubuchen oder 1000 Gigabyte für 400 Euro jährlich. Das Unternehmen verspricht beste Sicherheit für Nutzer-Fotos und einfache Bedienung. Amazon behält sich aber gegenüber den Nutzern vor, "auf Ihre Dateien zuzugreifen, sie zu nutzen und aufzubewahren". Warum der Internet-Riese dies tut, folgt auch gleich in seiner Datenschutzerklärung: "Informationen, die wir von Ihnen bekommen, helfen uns, Ihr Einkaufserlebnis bei Amazon.de individuell zu gestalten und stetig zu verbessern." Amazon versichert, die Daten aus der Cloud nicht an Dritte "zum wirtschaftlichen Gebrauch" weiterzugeben.

Petri sieht es skeptisch, Urlaubsfotos in eine Daten-Wolke hochzuladen. "Über Urlaubsfotos geben Nutzer einer Cloud viele Informationen über den Lebenswandel und den persönlichen finanziellen Rahmen preis", sagt sie. Der Verbraucher bilde seine komplette Persönlichkeit ab. Petri rät: "Der Anwender sollte sich unbedingt mit den AGBs der einzelnen Anbieter auseinandersetzen, um zu wissen, welche Daten er jeweils preisgibt und wie mit diesen Daten in der Zukunft umgegangen wird." Kossel mahnt, Fotos oder Filme nur verschlüsselt hochzuladen. "Ich rate generell davon ab, Kontoauszüge oder Adressbücher dort abzuspeichern", sagt er. Die sollten immer auf lokalen Festplatten hinterlegt sein, auf die nur der Nutzer Zugriff hat.