Grexit: Das Schlagwort wurde in der Schuldenkrise erfunden. Der Kunstbegriff besteht aus den englischen Worten für Griechenland (Greece) und Ausstieg (Exit). Grexit steht für etwas eigentlich Unmögliches: einen Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone. Vertraglich ist zwar bis ins Detail geregelt, wie man in die Euro-Zone hineinkommt. Nirgendwo steht jedoch, dass ein Land aus der Euro-Zone ausscheiden oder gar ausgeschlossen werden kann. Für die EU-Kommission ist klar: ohne Ausscheiden aus der EU kein Ausscheiden aus der Euro-Zone. Die Idee hinter dem "Grexit-Szenario": Würde Griechenland statt des "harten" Euro wieder eine "weiche" Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit billiger eigener Währung ihre Produkte international viel günstiger anbieten.

Graccident: Gelegentlich wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus "Greece" (Griechenland) und dem englischen Wort "accident" (Unfall). Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht. Dieses Szenario hieße: Weil zum Beispiel Staatsbedienstete weiter bezahlt werden müssten, würde Athen eine Art Zweitwährung ausgeben - die Wiedereinführung der Drachme durch die Hintertür.

Staatspleite: Für Staaten gibt es - anders als bei Privatpersonen oder Firmen - bislang keine Insolvenzordnung. Damit fehlen auch Regelungen, wann für einen Staat der Pleitefall eintritt und wie dann vorzugehen ist. Eine Zahlungsunfähigkeit bedeutet keinesfalls automatisch das Ende der Euro-Mitgliedschaft - Pleite und "Grexit" sind also nicht dasselbe. In der internationalen Finanzwelt wird der Pleitefall in der Regel von Ratingagenturen festgestellt; diese Agenturen beurteilen die Kreditwürdigkeit.

Primärüberschuss: Das größte Problem der Griechen sind die riesigen Schulden. Sie machen aktuell rund 180 Prozent der Wirtschaftsleistung aus - Tendenz: steigend, denn der griechische Staat gibt immer noch mehr aus, als er einnimmt. Grund für dieses laufende Staatsdefizit: die Zinsen, die für die Schulden gezahlt werden müssen. Rechnet man diese Zinsen (und Tilgungen) nicht mit, betrachtet also nur den "Primärhaushalt", dann hat Athen im laufenden Geschäft immerhin 2013 und 2014 erstmals seit Langem schwarze Zahlen geschrieben. Fachleute nennen dies "Primärüberschuss". Je höher der ausfällt, umso geringer ist der Zwang, bei Ausgaben zu sparen oder Einnahmen zu erhöhen.

Rezession: Dass sich Athen, gegen die ursprünglichen Haushaltsziele sperrt, liegt an der wirtschaftlichen Entwicklung des Krisenlandes. Die griechische Wirtschaft war jahrelang geschrumpft und erst 2014 wieder auf Wachstumskurs zurückgekehrt. Ein Strohfeuer, denn das Land ist Anfang 2015 schon wieder in eine Rezession gefallen. Wegen des Schuldenstreits der neuen griechischen Regierung mit ihren Geldgebern war dieser Einbruch befürchtet worden. Experten sprechen von einer Rezession, wenn die Wirtschaft in zwei Quartalen hintereinander zum Vorquartal schrumpft. Folge einer Rezession: Für den Staat brechen Steuereinnahmen weg - und wegen höherer Arbeitslosigkeit steigen die Ausgaben.

Anleihe: Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

Schuldenschnitt: Manchmal hat ein Staat so viele Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Zum Thema:
Im griechischen Schuldendrama hat EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker einen Vermittlungsversuch abgebrochen. Es gebe bei den diskutierten Reformeneinen deutlichen Unterschied zwischen den Plänen der Geldgeber und Athens, teilte ein Kommissionssprecher am Sonntagabend mit. Die weiteren Verhandlungen müssten jetzt in der Eurogruppe geführt werden, in der sich die Euro-Finanzminister treffen. Das nächste Treffen der 19 Ressortchefs ist an diesem Donnerstag in Luxemburg geplant. Am 30. Juni läuft das schon zweimal verlängerte Hilfsprogramm für Griechenland auf europäischer Seite aus. Ohne Einigung droht Griechenland der Staatsbankrott.