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| 02:36 Uhr

Von plus zehn Grad auf minus 20 in 36 Stunden

Eine Winterkatastrophe wie zur Jahreswende 1978/1979 hat es nach Angaben von Bernd Petzold vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1893 in Mitteleuropa noch nicht gegeben. Von Torsten Richter

Der Blizzard, ein sonst vor allem in Nordamerika vorkommender Schneesturm, suchte innerhalb kurzer Zeit auch die Lausitz heim. Binnen weniger Stunden fiel die Temperatur von plus zehn auf minus 20 Grad Celsius. Die Wetterkatastrophe nahm am 29. Dezember 1978 ihren schicksalsvollen Anfang.Freitag, 29. Dezember 1978: In der Nacht vom 28. zum 29. Dezember (ein Uhr) zeigte das Thermometer an der Wetter-Station Cottbus neun Grad plus, in Doberlug-Kirchhain sogar zehn. Um 19 Uhr des gleichen Tages war die Temperatur bereits auf minus vier Grad (Cottbus) beziehungsweise minus zwei Grad (Doberlug-Kirchhain) gefallen. Der stürmische Wind hatte ganz abrupt von Südwest auf Nordost gedreht. Sonnabend, 30. Dezember 1978: Der langanhaltende Regen ging in der Nacht in Schnee über. Um sieben Uhr lagen in Cottbus bei minus zwölf Grad zwei Zentimeter Schnee. Bis zum Ende des Silvestertages kamen weitere zehn Zentimeter in der damaligen Bezirksstadt hinzu. In Görlitz wurde zum Jahresausklang eine Schneehöhe von gar 17 Zentimetern gemessen.Sonntag, 31. Dezember 1978: Um ein Uhr betrugen die Temperaturen in Cottbus und in Doberlug-Kirchhain minus 14 Grad. Der anhaltende Oststurm brachte weitere erhebliche Schneemengen. In einigen Teilen des Kohle- und Energiebezirkes, beispielsweise im Kreis Senftenberg, fiel am späten Nachmittag pünktlich zu Beginn der beliebten Fernsehsendung "Oberhofer Bauernmarkt" der Strom aus. Einige Straßen und Bahntrassen waren durch Schneeverwehungen unpassierbar.Montag, 1. Januar 1979: In der Neujahrsnacht sanken die Temperaturen in Cottbus auf minus 20 Grad, in Erdbodennähe sogar auf minus 24 Grad. Die Schneedecke wuchs auf 25 Zentimeter an. Allerdings ließ der stürmische Wind nach. In der Lausitz wurden "nur" noch Windgeschwindigkeiten von fünf Stundenkilometern gemessen.Dienstag, 2. Januar 1979: Der Nordwestwind frischte wieder auf 20 Kilometer pro Stunde auf. Die Tageshöchsttemperatur betrug in Cottbus minus elf Grad. Es fielen nur noch geringe Mengen Schnee.Ab 7. Januar ließ der Frost spürbar nach. Trotzdem blieb der Winter 1978/79 streng. Nach Angaben der "Berlinischen Monatsschrift" wurde am 16. Februar in der Hauptstadt eine Schneehöhe von 43 Zentimetern gemessen. Bis zum Winterausklang summierten sich die Tage mit geschlossener Schneedecke auf 71.