Und um einen Landtagspräsidenten, der doch eigentlich nur seine persönliche Meinung äußern wollte - aber das in einer Art und Weise tat, die dazu geeignet ist, das Amt des Landtagspräsidenten mindestens mit einem dicken, juckenden Kratzer zu versehen.

Matthias Krauß, seit den Nachwende-Jahren Mitarbeiter des in Berlin erscheinenden Neuen Deutschland, hatte vor einiger Zeit im Landtag ein Buch vorgestellt. "Die Kommission" heißt es und beschreibt die Arbeit der Enquete-Kommission 5/1, die bekanntlich auf Veranlassung der Opposition im Landtag zur Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit eingerichtet wurde.

Krauß findet für die Arbeit der Kommission deutliche Worte, zuweilen gleiten sie in Polemik ab. "Gesinnungsschnüffelei" lautet einer der Begriffe, die er im Buch verwendet. An anderer Stelle zitiert er die Tradition der katholischen Inquisition.

So etwas gehört zur legitimen Meinungsfreiheit eines Journalisten - auch wenn eine Äußerung inhaltlich grundverkehrt ist, darf sie getätigt werden. Aber darf der Landtagspräsident in seinem Amt solche Äußerungen unterstützen?

Fritsch jedenfalls soll während der Buchvorstellung die Arbeit des Landtagsausschusses mit der Formulierung "reine Frustbewältigung" der Opposition charakterisiert haben. Und im Vorwort des Buches attestierte er Matthias Krauß: "Ja, man kann die Dinge auch so sehen."

Die politische Neutralität eines Landtagspräsidenten, vor allem aber der gebotene Respekt vor einem Ausschuss und den Oppositionsfraktionen seines Hauses, sehen so jedenfalls nicht aus. "Der Präsident könnte seine Amtspflichten verletzt haben, in dem er die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstaltete Vorstellung des Buches in den Räumen des Landtags zugelassen und sich dort in einer bestimmten Weise geäußert hat", heißt es nun auch in einem Gutachten des Parlamentarischen Beratungsdienstes des Landtags.

Welche Folgerungen das hat? Die CDU will die Sache nun in einem Gespräch mit dem Präsidenten klären, während die Grünen das Thema im Präsidium des Landtags erörtern lassen wollen. Doch dass der Landtag nun seinen Präsidenten missbilligt oder ihn gar abwählt, steht wohl nicht zu erwarten. Denn es ist höchstwahrscheinlich, dass der Präsident bei den nächsten Wahlen nicht mehr antritt und er deshalb wohl kein Jahr mehr an der Spitze des Potsdamer Parlamentes steht. Auch wenn sein Amt durch diesen Vorgang zweifellos beschädigt ist.