Im Mai 2007 widmete Angela Merkel (CDU) dem Klimawandel in ihrer Regierungserklärung zum bevorstehenden G8-Gipfel, damals in Heiligendamm, noch ein ganzes Kapitel. In der vorletzten Woche, als es um das bevorstehende Treffen auf Schloss Elmau ging, war es nur ein Wort in einem Nebensatz.

Dabei könnte Elmau sogar erfolgreicher enden als die Gespräche an der Ostsee, die Merkel den Ruf einer Klimakanzlerin einbrachten. Wie es aussieht, werden Obama, Hollande und Co. nämlich ein Dokument beschließen, in dem sie sich gemeinsam verpflichten, die internationale Klimakonferenz Ende des Jahres in Paris zum Erfolg zu machen - und dazu auch schon konkrete Verpflichtungen unterschreiben.

Ein neuer Ansatz

Um Paris dreht sich klimapolitisch derzeit alles; dort soll das beendete Kyoto-Abkommen endlich um ein verbindliches, alle Staaten umfassendes Paragrafenwerk ersetzt werden. Und zwar mit einem anderen Ansatz als in Kyoto. Es soll nun nicht mehr versucht werden, für jedes Land von oben CO{-2}-Senkungsbeiträge festzulegen, vielmehr sollen die Länder selbst Angebote machen. Klimaschutz nach dem Kingelbeutelprinzip.

Das G7-Treffen ist hierfür besonders wichtig, schließlich sitzen die Verursacher von 23 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes am runden Verhandlungstisch in Elmau. Man wolle, erklärte Merkel in einem Zeitungsinterview, dort schon jetzt möglichst viele Zusagen bekommen. Das entsprechende Dokument ist bereits entworfen, enthält aber noch einige Passagen in Klammern. Das bedeutet, dass darüber die Chefs selbst entscheiden, nicht die Unterhändler im Vorfeld.

Die EU ist mit dem Plan, den CO{-2}-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent zu senken, vorbildlich dabei. Sie wird sich allerdings genau wie Deutschland, das noch ehrgeizigere Ziele ausweist, von den anderen Gipfelteilnehmern fragen lassen müssen, ob dahinter auch wirklich realistische Umsetzungsstrategien stehen. Stichwort Kohleverstromung, gegen die außerhalb des Zauns die Umweltschützer demonstrieren wollen. Zuletzt war auch in Deutschland der CO{-2}-Ausstoß wieder gewachsen, was Merkels Position schwächt.

Im Schlusskommuniqué sollen zum Klimaschutz am Ende nur acht eher allgemeine Zeilen stehen. Darunter wohl auch das Versprechen, eine weltweite Klimaschutzversicherung einzurichten und zu unterstützen. Von extremen Wetterereignissen betroffene Menschen in Entwicklungsländern sollen hierüber künftig ihre Schäden ersetzt bekommen. Global sind mehr als eine Milliarde Euro dafür vorgesehen, Deutschland hat allein 150 Millionen zugesagt. 400 Millionen Menschen sollen versichert werden.

Der Ansatz entspricht einer Empfehlung von vier internationalen Klimaforschungsinstituten, die den G7 in einem Gutachten rieten, die am meisten betroffenen Staaten widerstandsfähiger zu machen, damit die Folgen von extremen Wetterereignissen nicht sofort zu innenpolitischen Krisen führen. Prävention der Klimafolgen sei international immer wichtiger.

Ein Fonds gegen Klimawandel

Das wichtigste Thema aber ist in diesem Zusammenhang der "Grüne Klima-Fonds", aus dem ab 2020 weltweit die Umrüstung auf erneuerbare Energien und die Anpassung an den Klimawandel finanziert werden soll. Auf ein jährliches Volumen von 100 Milliarden Euro hatten sich die Teilnehmer der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen geeinigt, die von den Industriestaaten kommen müssen.

Deutschland ist kurz vor dem G7-Gipfel mit gutem Beispiel vorangegangen. Beim Petersberger Klimadialog, der die Pariser Konferenz ebenfalls vorbereiten sollte, kündigte Angela Merkel im Mai an, die Haushaltsmittel dafür auf vier Milliarden Euro jährlich zu verdoppeln. Dazu käme noch die Verdoppelung der Kredite der staatlichen KfW-Bank auf drei Milliarden Euro. In Elmau wird die Bundeskanzlerin von den anderen Teilnehmern hören wollen, was sie denn zu bieten haben.