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Von der Soko "Weide" zur Soko "Koppel"

Viehdiebstahl gehörte 1992 bei der Gründung des Brandenburger LKA zu den ersten großen Problemen, 2017 ist es wieder so.
Viehdiebstahl gehörte 1992 bei der Gründung des Brandenburger LKA zu den ersten großen Problemen, 2017 ist es wieder so. FOTO: Schubert/LR/Fotolia
Eberswalde/Cottbus. Mit gestohlenen Rindern fing es 1992 an. Der erste Fall, an dem das neu gegründete Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg 1992 arbeitete, war eine Serie von Viehdiebstählen. Genau wie heute. Daneben gab es Mörder, Bankomatensprenger, Drogendealer und viele andere Verbrecher - die spektakulärsten Fälle aus 25 Jahren: Bodo Baumert

Als vor 25 Jahren, 1992, das Brandenburger LKA offiziell aus der Taufe gehoben wurde, war die erste Ermittlungskommission schon im Einsatz. Diese beschäftigte sich mit Großviehdiebstählen und trug den Namen EK "Weide". "Seit September 1991 war es in Brandenburg verstärkt zu professionell ausgeführten Großviehdiebstählen gekommen. Allein im Januar 1992 wurden 62 Mastbullen, neun Rinder und 40 Jungbullen von den Weidewiesen oder aus Ställen gestohlen", berichtet Polizeisprecherin Karina Schulter. Die teilweise bis zu acht Beamte umfassende Ermittlungskommission bearbeitete insgesamt 26 Ermittlungsverfahren. Bereits im Oktober konnte sie Erfolge vermelden und die Ermittlungsakten an die zuständige Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) übergeben. 17 von insgesamt 23 Anzeigen zu Großviehdiebstählen waren aufgeklärt.

Heutigen Zeitungslesern kommen solche Meldungen bekannt vor. Denn auch im laufenden Jahr beherrschten Viehdiebe wochenlang die Schlagzeilen. Im Frühjahr häuften sich die Fälle in der Lausitz. Das LKA richtete daraufhin die Soko "Koppel" ein. Sechs Beamte sind dort derzeit im Einsatz. Erster Erfolg: Seit die Soko ihre Arbeit aufgenommen hat, gab es keine neuen Diebstähle.

Doch nicht nur Rinder haben das LKA in den vergangenen Jahren beschäftigt. Als kriminalpolizeiliche Zentralstelle des Landes sind die derzeit rund 530 Mitarbeiter in einer Vielzahl von Fällen gefragt. Ermittlungen wegen des Verdachts Organisierter Kriminalität und Wirtschaftskriminalität aber auch wegen Landes-, Friedens- und Hochverrats sowie der Bildung terroristischer Vereinigungen beschäftigen die Beamten.

Einer der spektakulärsten Fälle - und zugleich einer der längsten - nahm auch gleich 1992 seinen Anfang. Am 25. Juni 1992 überfielen drei Männer einen Geldtransporter in Bernau. Sie erbeuteten 3,5 Millionen D-Mark. Ein Wachmann wurde bei dem Überfall erschossen - wie sich herausstellte war es ein ehemaliger Personenschützer der Stasi, der in den Boulevardmedien als "Honeckers Leibwächter" tituliert wurde. Einen Verdacht hatten die Ermittler damals bereits, konnten aber keinen Täter überführen.

Das gelang erst 15 Jahre später. Im Frühjahr 2007 klickten die Handschellen bei einem stadtbekannten Berliner Gangster. Frank L., der gerade wegen eines anderen Verbrechens vor Gericht stand, konnte als Täter überführt werden, dank des genetischen Fingerabdrucks. "Die Aufklärung nach mehr als 14 Jahren ist das Ergebnis unermüdlicher Ermittlungsarbeit unter Nutzung modernster Methoden der Spurenauswertung", lobte Brandenburgs damaliger Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) 2007.

Die Aufklärung fiel in die Zeit der größten Ausdehnung des LKA. Nach dem Umzug von Basdorf nach Eberswalde stieg die Personalstärke von Anfangs 195 auf bis zu 850 Mitarbeiter an. Neben eigenen Ermittlungen arbeitet das LKA auch als Servicestelle für andere Abteilungen der Brandenburger Polizei, etwa mit den Kriminaltechnikern oder der landesweiten Analyse und Auswertung von Kriminalitätslagen.

Für spektakuläre Erfolge haben immer wieder die Zielfahnder des LKA gesorgt, die sich auf die Spur entflohener oder untergetauchter Schwerverbrecher, Gefängnisausbrecher und ähnlicher Kaliber spezialisiert haben. So konnte beispielsweise 2005 ein damals 33-jähriger Drogendealer aus Cottbus in Marokko festgenommen werden. "Bei der Festnahme in Tetouan war Heiko W. nach Polizeiangaben sichtlich schockiert darüber, wie schnell ihm die Zielfahnder, die erst im September eingeschaltet wurden, auf die Schliche gekommen waren. Der Überraschte leistete keinen Widerstand und gab sofort seine Identität preis", berichtete die RUNDSCHAU damals.

Weniger weit weg, dafür ähnlich erfolgreich waren die Zielfahnder im Jahr 2000. Eine 17-köpfigen Sonderkommission (Soko) "Golf" kam auf die Spur zu einem Mann, der einen Polizisten bei einer Routine-Kontrolle in Hosena bei Senftenberg brutal umgefahren und lebensgefährlich verletzt hatte. Tagelang versteckte sich der gesuchte Tatverdächtige in Sachsen und Brandenburg, reiste ständig umher. Die Zielfahnder überwachten private Kontakte des Mannes. Dann griffen Sie zu, auf dem Bahnhofsvorplatz in Cottbus.

Zu den festen Einrichtungen des LKA zählt seit 1997 auch die Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) mit dem Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg. Ihr Spezialgebiet sind Fälle der grenzüberschreitenden Rauschgiftkriminalität. 900 Strafverfahren und über 800 Kilo sichergestellte illegale Drogen können sich als Bilanz sehen lassen. Jeweils acht Beamte des Zolls und des LKA arbeiten mittlerweile in der GER. Zuletzt waren sie etwa bei der Beschlagnahmung von 138 Kilo Marihuana beteiligt.

In jüngster Zeit sind es vor allem die Bankomatensprenger, die die Ermittler des LKA auf Trab halten. Die Soko "Fläming" bearbeitet solche Fälle. Eine Bande konnte mittlerweile dingfest gemacht werden. Sie war aus dem Raum Potsdam/Berlin, sozusagen im Zuständigkeitsbereich des Brandenburger LKA. Die Serie der Anschläge geht trotzdem weiter, denn gerade in diesem Verbrechensfeld sind international agierende Banden im Einsatz. Um denen auf die Spur zu kommen, muss das LKA zunehmend über Landesgrenzen hinweg kooperieren. Mit dem direkten Nachbarn Polen klappt das schon ganz gut, wie auch gemeinsame Ermittlungsgruppen, die sogenannten JIT, zur Verfolgung von Autoknackerbanden gezeigt haben.

Im Zuge der Polizeireform wurden das LKA 211 ins Polizeipräsidium Potsdam eingegliedert und sein Personal auf 350 Stellen gestutzt. Mittlerweile sind es wieder 530 Mitarbeiter, die sich zunehmend mit neun Herausforderungen konfrontiert sehen. So werden beim LKA derzeit über 20 Verdachtsfälle nach Paragraf 129 a Strafgesetzbuch, also der Bildung einer terroristischen Vereinigung, bearbeitet. "Vor zwei Jahren waren das noch null Fälle", sagt Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. "Der Aufwand hat gewaltig zugenommen."

Hintergrund:

Tag der offenen Tür am Samstag

Zum 25. Geburtstag des LKA lädt die Polizei am Freitag zu einem Festakt in der "Hufeisenfabrik" im Familiengarten der Stadt Eberswalde ein. Am Samstag gibt es einen "Tag der offenen Tür des
Landeskriminalamtes". Er findet von 10 bis 16 Uhr auf dem Gelände des LKA in Eberswalde, Tramper Chaussee 1, statt. Neben den Abteilungen des Landeskriminalamtes stellen sich dabei auch die Bundespolizei, die Feuerwehr und die Direktion "Besondere Dienste" an verschiedenen Ständen vor. Zudem gibt es ein Kinderprogramm mit Fahrrad-Parcours, Straßenmalen, Puppenbühne, Kinderschminken und einer Hüpfburg.