Die ehemaligen Rebellen der "Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung" (SPLM) treten nur noch in ihrer Hochburg im Landessüden an. Die wichtigste Opposition im Nordsudan, die Umma-Partei, kündigte als letzte Partei ihren Rückzug an. "Wir boykottieren die Wahl, weil unserer Forderung nach Verschiebung nicht entsprochen worden ist", verkündete Umma-Sprecherin Sara Nugd-Alla am Mittwochabend. "Wir werden die Ergebnisse nicht anerkennen." In einer gemeinsamen Erklärung der Opposition werden die Gründe für den Boykott aufgeführt: die Fälschung der Volkszählung und der Wählerlisten, Behinderung der Opposition im Wahlkampf durch Regierungsmilizen und Sicherheitskräfte sowie die Beeinflussung der Nationalen Wahlkommission durch die Regierungspartei von Präsident Omar al-Baschir. Opposition boykottiert WahlDer Staatschef, seit 1989 im Amt, wird vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen der Kriegsverbrechen in Darfur gesucht. Mit dem Oppositionsboykott schwindet seine Hoffnung, durch die Wahl demokratisch legitimiert zu werden. Zuletzt hatte Al-Baschir mit Drohungen versucht, den Schein einer freien Wahl aufrecht zu erhalten: Falls die SPLM die Wahl behindere, werde er die 2011 geplante Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Südsudan blockieren. Doch die SPLM, die 20 Jahre für Südsudans Autonomie gekämpft hatte, ließ sich nicht beeindrucken. Dennoch hat Al-Baschir Grund, sich zu freuen: Seine Wiederwahl im ersten Wahlgang gilt nach dem Rückzug aller anderen aussichtsreichen Kandidaten als sicher. Die Wahlkommission hielt noch am Dienstag bei einem Treffen mit internationalen Beobachtern in Khartum die Behauptung aufrecht, die Abstimmung werde frei und fair verlaufen. Bei dem gleichen Treffen jedoch listete die UN-Mission im Sudan auf, wo im Land zu wenig oder falsch gedruckte Wahlzettel ausgeliefert wurden. In einem Bundesstaat, Jonglei, wurden bislang gar keine Wahlzettel ausgeliefert: Sie waren offenbar falsch beschriftet worden. Am umstrittensten ist die Lage in der Bürgerkriegsregion Darfur. Nach einem Bericht der Konfliktforscher der International Crisis Group wurden in Darfur, wo 19 Prozent aller sudanesischen Wähler leben, nur Unterstützer der Regierung registriert. Die meisten der 2,6 Millionen Vertriebenen hingegen, die als Oppositionsanhänger gelten, stünden nicht auf den Wählerlisten. EU-Mission steht infrage"Die Lage in manchen Teilen Darfurs ist schrecklich", sagt auch die Chefin der EU-Wahlbeobachtungsmission, die Belgierin Veronique De Keyser. "Nicht einmal humanitäre Helfer können dorthin, also können wir es auch nicht." De Keyser kündigte jüngst an, alle EU-Wahlbeobachter aus Darfur abzuziehen. Zivilgesellschaftliche Gruppen fordern sogar, die EU solle die Mission ganz aufgeben. "Wenn die Beobachter bleiben, geben sie einem Prozess eine scheinbare Legitimität, der in Wirklichkeit tief von Mängeln behaftet ist und einem Kriegsverbrecher ins Amt verhelfen soll", erklären Bürgerrechtler der "Sudan Democracy First Group". Auch Oppositionelle im teilautonomen Süden Sudans, wo die SPLM mit Salva Kiir einen eigenen Präsidenten stellt, klagen über Behinderungen im Wahlkampf. Ein weiteres Problem ist die Wahl selber: Im Süden des Sudan müssen Wähler zwölf Stimmzettel ausfüllen. Wahlbeobachter bemängeln, dass selbst an Wahlen gewohnte Europäer Probleme hätten, die wilde Mischung aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht zu durchblicken.