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Von der Bergingenieurschule zum Campus

Gerhard Kreißl auf dem Senftenberger Campus vor dem Gebäude, in dem 1947 die Bergingenieurschule gegründet wurde.
Gerhard Kreißl auf dem Senftenberger Campus vor dem Gebäude, in dem 1947 die Bergingenieurschule gegründet wurde. FOTO: dpa
Senftenberg. Die Bergbaugeschichte der Lausitz ist in der Kleinstadt Senftenberg besonders gut abzulesen. Der Senftenberger See ist heute ein Tourismus-Magnet – früher holten die Kumpel aus der Grube Braunkohle. Anna Ringle

Auch der kleine offene Hochschul-Campus hat seine Wurzeln im Bergbau - 1947 wurde hier eine Bergingenieurschule gegründet. 70 Jahre ist das Studieren abseits von Großstädten nun hier in Südbrandenburg schon möglich. Am Samstag wird das auf dem Campus gefeiert, das Programm ist für Ehemalige als auch für Studieninteressierte ausgerichtet.

Als Gerhard Kreißl in den 1950er-Jahren als 18-Jähriger studierte, sah das Areal noch völlig anders aus. "Hier war Acker", sagt er über eine Fläche, auf der heute Hochschulgebäude stehen. "Hier hat sich so viel geändert." Junge Studenten eilen vorbei, tippen auf Handys, diskutieren oder halten Mappen in den Händen. Kreißl bleibt stehen und zeigt auf ein Labor für Maschinenbau. Er berichtet von einem neuen Roboter, der zu DDR-Zeiten dort installiert wurde. "Der ging aber nicht durch die Tür", sagt er. Zu hoch. Dann sei ein Stück der Gebäude-Mauer unter einem Fenster heruntergerissen worden, sagt der 82-Jährige und schmunzelt. Durch diese Öffnung kam der Roboter an seinen Platz. Kreißl lehrte später auch im Bereich Maschinenbau in Senftenberg.

Mit der Entwicklung des Standortes ist er zufrieden. In Senftenberg selbst müsste es aber noch mehr Firmen geben, um Fachkräfte und Absolventen der Hochschule langfristig zu halten. Derzeit sind in Senftenberg gut 1300 Studenten eingeschrieben. Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen sind nachgefragte Studiengänge, wie Prodekanin Kathrin Lehmann sagt.

Der Hochschulstandort hatte schon viele Namen. Ingenieurschule Senftenberg, dann Fachhochschule Lausitz nach der Wende und schließlich Hochschule Lausitz. Vor annähernd vier Jahren gab es für Senftenberg einen bedeutenden Schritt in der Hochschulgeschichte. Die FH fusionierte mit der Uni in Cottbus - zur Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg. Dieser Zusammenschluss war keine Liebesheirat. Es hatte heftige Proteste gegen den Beschluss der Landesregierung gegeben. Studenten trugen am Tag der Fusion - dem 1. Juli 2013 - einen Sarg durch Cottbus. Mit den Jahren wuchsen die Standorte enger zusammen. Heute steht der Wissenschaftsstandort in der Wahrnehmung gut da. Es gibt Uni-, Fachhochschul- und duale Studiengänge - das hebt die Standorte von anderen in Deutschland ab.

Mit Jörg Steinbach bekam die Uni einen neuen Präsidenten, der schnell neue Strukturen brachte. Prodekanin Lehmann sagt: "Das Grundverständnis, dass wir zusammen gehören, hat sich gut entwickelt, aber natürlich ist der Weg noch weiter zu gehen." Sie ist überzeugt, dass die Studentenzahlen in Senftenberg stabil bleiben. "Wir sind ein Campus der kurzen Wege und können die Vorteile wie moderne Studiengänge, gute Betreuungssituation und moderne Ausstattung einbringen", sagt sie. Mit Großstädten will Senftenberg nicht konkurrieren.

BTU-Präsident Jörg Steinbach sagt: "Der moderne, hervorragend ausgebaute Campus profiliert sich weiter auf den Gebieten der Biotechnologie, Chemie, der Ingenieurwissenschaften Elektrotechnik und Maschinenbau sowie der Gesundheitswissenschaften und der Medizininformatik. Der Senftenberger Standort hat schon jetzt in den genannten Bereichen einen hervorragenden Ruf, den wir weiter stärken werden." Mit Blick in die Zukunft sagte er: "Im Gesundheitsbereich arbeiten wir an einer Differenzierung des Masterangebotes."

Beim Tag der offenen Tür beteiligen sich auch die Standorte in Cottbus. Dort ist bereits am Freitag ein großes Programm geplant. Einen Tag später geht es in Senftenberg weiter.

Zum Thema:
Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg ist auf drei Standorte verteilt: den Zentralcampus Cottbus, den Campus Cottbus-Sachsendorf sowie den Campus Senftenberg. Rund 8000 Studenten gibt es, davon mehr als 1800 aus dem Ausland. Die BTU ist in sechs Fakultäten aufgeteilt: Fakultät 1: Mint - Mathematik, Informatik, Physik, Elektro- und Informationstechnik, Fakultät 2: Umwelt und Naturwissenschaften, Fakultät 3: Maschinenbau, Elektro- und Energiesysteme, Fakultät 4: Soziale Arbeit, Gesundheit und Musik, Fakultät 5: Wirtschaft, Recht und Gesellschaft, Fakultät 6: Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung