Unter dem weißen Adler in der Parlamentslobby hatten sich Mike Bischoff und Sören Kosanke (beide SPD) aufgebaut - denn es galt, Revanche zu nehmen. Schließlich hatten die Christdemokraten Kosanke im Sommer die goldene Dampfwalze als Auszeichnung für den Abgeordneten des Regierungslagers verliehen, der die meisten Oppositionsanträge plattwalzte. Was manche Vertreter des Regierungslagers damals noch wenig humoristisch nahmen. Um so wichtiger war es ihnen da, kurz vor Weihnachten nun selbst einen Preis zu verleihen: Das mit goldener Farbe bemalte "stumpfe Schwert der Opposition".

Kandidaten für den Preis wurden an diesem Abend viele genannt - von Sven Petke, der in der vergangenen Legislaturperiode angeblich ab und an durch Abwesenheit glänzte, über Christoph Schulze (BVB/Freie Wähler), der sich vorwiegend über Dinge aufregte, die er als SPD-Politiker noch mitbeschlossen hatte, bis zu Henryk Wichmann. Doch am Ende ging das Schwert an den CDU-Wirtschaftspolitiker Dierk Homeyer. Er sei schon seit vielen Jahren in jedem Untersuchungsausschuss vertreten gewesen, ohne dabei je einen Minister zu Fall gebracht zu haben, erklärte Kosanke. "Sie sind nämlich immer schon vorher von selbst gegangen." Homeyer nahm das Schwert lachend entgegen - und drehte die Pointe weiter: Ein stumpfes Schwert könne man nämlich auch gut als Stoßwaffe gebrauchen, sagte der CDU-Politiker. Wozu sich sicher schon im Januar jede Menge Gelegenheiten bieten werden.