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Von Cottbus und von Wismar nach Berlin

Verspätungen des RE 2 sind in dieser Woche an der Tagesordnung.
Verspätungen des RE 2 sind in dieser Woche an der Tagesordnung. FOTO: Ch. Taubert (LR-MOB-RED-309)
Vetschau. Neue Studie schlägt Aufteilung der RE 2-Linie in einen Süd- und einen Nordwest-Abschnitt vor. Lausitzer Bahnhalte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz könnten wieder komplett angefah ren werden. Odeg-Chef ist von der Lösung angetan und sagt: Auch Berlin muss mit ins Boot. Christian Taubert

Arnulf Schuchmann hat sich diesen Termin in der Vetschauer Schlossremise nicht entgehen lassen. Wieder steht der Regionalexpress 2 (RE 2) im Mittelpunkt - das "Sorgenkind" des Geschäftsführers der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg). Seit Jahren gibt es wegen der Unpünktlichkeit auf der längsten RE-Linie in Berlin-Brandenburg Kritik. Für Bahnexperten ist ebenso lange klar, dass diese knapp 400 Kilometer zwischen Cottbus und Wismar nicht in den Griff zu bekommen sind.

Darauf hat auch der Odeg-Chef immer wieder hingewiesen (siehe Infobox). Selbst hat er die Aufteilung dieser Linie angeregt. Nichts Neues also, als die jüngste Studie - von der Stadt Vetschau und der Großgemeinde Kolkwitz in Auftrag gegeben - zu dem Ergebnis kommt: Der RE 2 muss in einen Südabschnitt Cottbus - Berlin-Charlottenburg und einen Nordwest-Abschnitt Wismar - Berlin-Ostbahnhof aufgesplittet werden.

"Diese Studie hat einen neuen Denkansatz", bewertet Schuchmann die "Fleißarbeit" auf 34 Seiten. Denn die Auftrennung der Linie als Konsequenz aus einer umfangreichen Analyse des Ist-Zustandes abzuleiten, "das ist neu, und einiges war mir bisher auch noch nicht bewusst".

So hat der Brandenburg-Chef des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Dieter Doege, bei der Vorstellung der Ergebnisse nachgewiesen, dass für den RE 2 auf der gesamten Strecke die kürzesten Halte- und Umsteigezeiten eingeplant sind. Allen anderen Regionalexpresslinien würde durch die Planer der DB Netz eine deutlich längere Haltezeit zugestanden. Die längste Brandenburg-Strecke aber ist aufgrund der zahlreichen Verkehrsknoten, die zu passieren sind, derart anfällig, "dass sie einfach nicht funktionieren kann", sagt Arnulf Schuchmann.

In seiner Präsentation verweist Dieter Doege immer wieder auf gerade einmal eine Minute, die den Fahrgästen des RE 2 zur Verfügung steht, um umzusteigen. Für Wittenberge bedeute dies zudem, dass jede Verspätung des Fernverkehrs von und nach Hamburg, der stets Vorfahrt hat, zulasten des Regionalverkehrs geht. "Dem RE 2 fehlen Reservezeiten", betont Doege.

Aufgrund der ebenso knapp bemessenen Haltezeiten auf der Berliner Stadtbahn und in Königs Wusterhausen, wo nur ein Ferngleis zur Verfügung steht, schleppt ein verspäteter Zug die Verspätung praktisch mit bis zur Endstation - mit den entsprechenden Folgen für den Anschlussverkehr. Hinzu kommt die Eingleisigkeit zwischen Lübbenau und Cottbus.

Während die DB Netz und das Land Brandenburg aus dieser Situation geschlussfolgert haben, vier Minuten Zeitpolster dadurch zu gewinnen, indem die Lausitz-Haltepunkte Raddusch, Kunersdorf und Kolkwitz tagsüber nicht mehr angefahren werden, splittet die Studie die RE 2-Linie auf. Dazu werden Abfahrt- und Ankunftszeiten im Süden geringfügig verändert und im Norden in eine freie Fahrplanlage verlegt.

"Diese Idee ist es wert, geprüft zu werden", erklärt der Odeg-Chef. Das schaffe mehr Luft, beziehe die drei Lausitz-Halte wieder mit ein, tangiere weniger den Fernverkehr und verdoppele die Beförderungskapazität auf der Berliner Stadtbahn. Denn künftig könnten beide voneinander unabhängige RE 2-Linien die fünf Berlin-Halte Ostbahnhof, Alexanderplatz, Friedrichstraße, Hauptbahnhof und Zoo gemeinsam bedienen. Schuchmann macht aber auch darauf aufmerksam, "dass für einen Zug mehr auf Berliner Gleisen auch Berlin bezahlen müsste": rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr.

Da die Studie weder im Potsdamer Infrastruktur-Ministerium noch bei der Bahn vorlag, konnte am Donnerstag dazu noch nichts gesagt werden. Die CDU-Landtagsabgeordnete Roswitha Schier hat allerdings angekündigt, dass die Untersuchung schon am 23. Februar in die Beratungen des Verkehrsausschusses im Potsdamer Landtag einfließen werde. "Wir wollen einen zuverlässigen RE 2 nach Berlin mit den drei Lausitz-Haltepunkten", sagt die Lübbenauerin.

Mehr zum Thema:

www.lr-online.de/re2

Zum Thema:
Bereits im Januar 2014 hatte die Studie der IHK Cottbus "Zurück zur Pünktlichkeit" darauf verwiesen, dass der Fahrplan auf der mit 389 Kilometern längsten Regionalexpress-Strecke Berlin-Brandenburgs zu eng geplant und deshalb entzerrt werden muss. Nach Angaben der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) ist die Strecke Cottbus - Wismar jene Linie, auf der am schnellsten gefahren wird, die die geringsten Haltezeiten hat und trotzdem am unpünktlichsten ist. Als Gründe für die Teilung der Linie werden Unwägbarkeiten mit dem Fernverkehr im Norden, das Nadelöhr Bahnhof KW und die Eingleisigkeit Lübbenau - Cottbus angeführt. Statt der Aufsplittung wurden in der Folge drei Lausitzer Bahnhalte gestrichen.