Schon der Name des Forschungsprojektes klingt nach Exotik und fernen Welten. Und tatsächlich: Die deutschen Wissenschaftler, die an "SuLaMa” beteiligt sind, müssen sich - zumindest zeitweise - vom komfortablen Leben einer Industrienation verabschieden. Johanna Götter, die derzeit an der BTU ihre Doktorarbeit schreibt, hat für "SuLaMa" insgesamt acht Monate auf Madagaskar verbracht, davon rund drei Monate "draußen im Feld".

"Im Feld" heißt dabei, dass sie in einem Dorf irgendwo auf dem madagassischen Mahafaly-Plateau gelebt hat, in kleinen Hütten, aus Zweigen gebaut. Kein Wasser, Strom nur aus dem Generator, mit etwas Glück gab es ab und an Handyempfang. Schon die Anreise ein Abenteuer: Mit dem Flugzeug aus der Hauptstadt in die Provinzstadt Toliara, von dort aus mit dem Jeep über eine Schlaglochpiste weiter. "50 Kilometer dauern zehn Stunden, im besten Fall", sagt Johanna Götter. Mit dem Boot entlang der Küste geht es etwas schneller, da sei man schon nach zwei Stunden am Ziel.

Vor Ort hat sich die junge Wissenschaftlerin mit Dorfbewohnern getroffen und rund hundert Interviews geführt - natürlich mit Dolmetscher. "Die Menschen auf dem Land sprechen madagassisch in den unterschiedlichsten Dialekten", erzählt die Forscherin. In ihren Interviews wollte sie herausfinden, wie sich die Regeln und Institutionen in den Dörfern auf dem Mahafaly-Plateau verändern - durch das Bevölkerungswachstum und die daraus entstehenden Probleme. Madagaskar ist sehr arm und die einst nachhaltige Form der Landwirtschaft wird den modernen Lebensverhältnissen nicht mehr gerecht. Durch Brandrodung werden immer größere Teile des weltweit einzigartigen Dornwaldes zerstört. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die es nur auf Madagaskar gibt, sind vom Aussterben bedroht. Und auch für die Einwohner selbst wird es immer schwieriger, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Durch den Klimawandel kommt es immer häufiger zu Missernten. Außerdem bedrohen marodierende Banden die Dörfer, stehlen das Vieh und ermorden die Bauern. Johanna Götter: "Um den Banden zu entgehen, ziehen die Männer mit ihren Zebuherden zeitweise in andere Regionen, finden in anderen Dörfern Unterschlupf." Hier wie auch in den Heimatdörfern müssen Regeln ausgehandelt werden, wie die knapper werdenden Ressourcen verteilt werden können.

Das Projekt "SuLaMa" wird vom Bundesforschungsministerium finanziert. Beteiligt sind sieben deutsche und zwei madagassische Universitäten und verschiedene Umweltorganisationen. Gesucht werden soll nach nachhaltigen Landnutzungsprojekten. Prof. Frank Wätzold, Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Umweltökonomie: "Der Erhalt dieser einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt ist unbestritten wichtig. Ebenso unstrittig ist, dass die einheimische Bevölkerung zu arm ist, um die Kosten für den Schutz dieser Region aus eigener Kraft aufzubringen. Es gilt also, Wege zu finden, die den Bedürfnissen und Traditionen der Landbevölkerung ebenso gerecht werden wie dem Arten- und Naturschutz. Ein Weg könnte sein, den regionalen Bauern Ernteverluste auszugleichen, wenn sie die traditionelle Brandrodung einschränken.

Der Madagasse Henintsoa Randrianarison, ebenfalls Doktorand im SuLaMa-Projekt, hat hierzu in der Hauptstadt Antananarivo sowie auch in Cottbus Umfragen zur Spendenbereitschaft der Einwohner durchgeführt. Beteiligt an der Cottbuser Arbeit war die wissenschaftliche Mitarbeiterin Nonka Markova-Nenova. "Wir wollten herausfinden, ob die Menschen überhaupt bereit sind, für den Schutz der Umwelt und die Landbevölkerung zu spenden", erklärt Henintsoa Randrianarison. Die Grundannahme des Forschungsprojektes ist folgende: Die Flora und Fauna auf Madagaskar lässt sich nur dann schützen, wenn auch die Bauern der Region ihr Auskommen haben. Also musste ebenfalls geklärt werden, ob Stadtbewohner den Bauern Geld spenden würden.

Prof. Frank Wätzold: "Wir wollen wissen, ob diese Spendenbereitschaft abhängig davon ist, wie das gespendete Geld an die Landbevölkerung verteilt wird." Sollen die ärmeren Menschen mehr bekommen als die wohlhabenderen? Ist es vielleicht völlig egal, wie die Gelder verteilt werden? Noch liegen die endgültigen Ergebnisse nicht vor, aber schon jetzt kann Henintsoa Randrianarison sagen, dass es sowohl in Cottbus als auch in Antananarivo einen engen Zusammenhang zwischen Spendenbereitschaft und Verteilungsmodalitäten gibt. Für die betroffenen Bauern selbst, so Randrianarison, sei es wichtig, dass sie eventuelle Unterstützung besonders in den Monaten vor der Ernte erhielten, in denen sie oft Hunger leiden müssen. Frank Wätzold: "Das klingt nach simplen Antworten, aber selbst die waren schwer zu bekommen - viele Dörfer in der Region nutzen unterschiedliche Kalendersysteme."

Im kommenden Jahr wollen Johanna Götter und Henintsoa Randrianarison ihre Doktorarbeiten fertigstellen, auch das Projekt "SuLaMa" läuft 2015 aus. Die gesammelten Erkenntnisse sollen aber schon jetzt dem Land zugutekommen: An der Universität Toliara werden Studenten der Agrarwissenschaften praxisnah ausgebildet und können mit den gewonnenen Erkenntnissen arbeiten.

Zum Thema:
Der Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Umweltökonomie, beschäftigt sich mit der Anwendung ökonomischen Wissens auf Probleme des Umwelt- und Ressourcenmanagements. Forschungsschwerpunkte sind die ökonomische Analyse von umweltpolitischen Instrumenten, von Strategien und Politikinstrumenten zum Schutz der biologischen Vielfalt, insbesondere mit Hilfe von in Kooperation mit Naturwissenschaftlern entwickelten ökologisch-ökonomischen Modellen sowie von Politikinstrumenten zum Schutz von Ökosystemleistungen in Industrie- und Entwicklungsländern. In der Lehre werden die ökonomischen Veranstaltungen in den verschiedenen Studiengängen der Fakultät Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik durchgeführt.