Zehn Spielfilme aus acht Ländern Osteuropas werden im Hauptwettbewerb präsentiert. Neben Kirgistan, Polen, Russland, Serbien und Montenegro, Tschechien und Ungarn sind besonders stark - mit jeweils zwei Filmen - die diesjährigen Fokus-Länder Bulgarien und Rumänien vertreten. Diese beiden Beitrittskandidaten zur Europäischen Union hatten länger als die meisten der früheren sozialistischen Bruderstaaten mit den Folgen des tiefen gesellschaftlichen Wandels zu kämpfen - die Auswirkungen auf die filmische Landschaft waren nicht zu übersehen gewesen.
In Cottbus wird nun der aktuelle Stand der Dinge dokumentiert, mit über 20 Einzelbeiträgen gilt die bulgarische Filmschau gar als größte ihrer Art seit der Wende. Das Patronat haben mit Itzhak Fintzi (Bulgarien) und Oana Pellea (Rumänien) zwei der prominentesten Darsteller aus diesen Ländern übernommen, sie begleiten das Programm in Cottbus.
Im Wettbewerb gehen heute auch gleich beide Fokus-Länder an den Start: „Affen im Winter“ aus Bulgarien und der rumänische Streifen „12:08 East of Bucharest“ . Es wird schon zu sehen sein, welchen Hauptthemen sich die Filmemacher dieser Länder widmen: In Rumänien lebt „Europas andere Jugend“ , und in Bulgarien, wo einst Europa an das Osmanische Reich grenzte, sind es „Wir und die anderen“ .

Überraschungen vor der Tür
Natürlich ist es der Plan des Festivals, auf Entdeckungsreise nach Osteuropa zu gehen. Manchmal aber liegen die Überraschungen direkt vor der Tür. Aus Anlass des 850. Cottbuser Stadtjubiläums in diesem Jahr hat das FilmFest stärkere Bezüge gesucht und gefunden. Dass der Spreewald eine vorzügliche Filmkulisse abgibt, ist nicht neu. Dass in der Region filmkünstlerische Kreativität angesiedelt ist, belegt nicht zuletzt die „Cottbuser FilmSchau“ , inzwischen zum vierten Mal Bestandteil des Festivals. Aber dass es ein nicht unbeträchtliches sorbisches Filmschaffen gibt, ist weniger bekannt. Es war also Zeit für eine Retrospektive. Und die spannt in diesem Jahr den Bogen vom frühen Stummfilm über sorbische Märchen, herausragende Defa-Arbeiten bis hin zu jüngsten Produktionen des Bautzener Filmstudios "Sorabia" und bezieht alle Genres ein. Patron der Retrospektive ist der Cottbuser Schriftsteller Jurij Koch.

Die Klammer des Festivals
Der regionale Bezug bildet auch die Klammer des Festivals. Zur Eröffnung gestern im Großen Haus des Staatstheaters war „Der Fremde Vogel. Eine Liebestragödie im Spreewald“ zu sehen. In Urban Gads Stummfilm von 1911 spielt Asta Nielsen eine junge Engländerin, die sich im Spreewald verliebt. Und dorthin verschlägt es im Abschlussfilm des Festivals wieder eine junge Frau: Katja Flint spielt die weibliche Hauptrolle in Bernd Heibers „Herzentöter“ .