Und natürlich haben alle Brauer Interesse daran, dass ihr Bier getrunken wird. Was liegt da näher, als in der natürlichen Mitte des Landes, in der Landesvertretung in den Berliner Ministergärten, einen Genussabend mit Brandenburger Bier zu organisieren? So geschehen ist das am Mittwoch. Politiker, Medienvertreter und Repräsentanten der Tourismuswirtschaft trafen sich zu einem vom Marketingverband "Pro Agro" und dem Verein zur Förderung Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien organisierten Genussabend in der Landesvertretung. Mit den kleinen Brauereien werde "ein Stück Brandenburg neu geschaffen", schwärmte der Leiter der Landesvertretung, Staatssekretär Martin Gorholt. Wo nach der Wende große Brauereikonzerne den Markt übernommen haben, gebe es nun eine Wiedergewinnung von Raum.

So weit, so gut. Doch beim Biere lässt es sich ja nicht nur gut reden, es lässt sich auch trefflich philosophieren. Zum Beispiel darüber, dass in Brandenburg die sogenannten Sauerbiere immer mehr im Kommen sind, wie eine Braumeisterin am Tisch verriet. Und neben den kulinarischen Köstlichkeiten des "Europameisters im Gemüseschnitzen" (diesen Titel gibt es wirklich!) trug auchBrandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter seinen Teil zum Abend bei: "Bier stiftet wirklich heimatliche Identität, eine Kreisverwaltung leider nicht", sagte der SPD-Politiker, der nicht nur für seine Kreisgebietsreform derzeit schwer unter Beschuss steht. Auch die Altanschließerproblematik ist bekanntlich Aufgabe des Ministeriums für Inneres und Kommunales. "Es war eine gute Idee, mit dieser Veranstaltung nach Berlin zu gehen", sagte Schröter. "Denn wir haben ja hier keine Abwasserprobleme - wenn Sie hier die Toiletten benutzen, ist das eine Berliner Angelegenheit." Auch wenn an diesem Abend wohl so einige Liter Brandenburger Bier das Klo herabgespült wurden.