." Gustav Büchsenschütz, der 1996 hochbetagt in Berlin verstorbene Dichter der "Märkischen Heide", wusste, wovon er sprach. Rot soll er sein, der märkische Adler. So wie schon im Wappen der Markgrafen von Brandenburg, wie es sich etwa im berühmten Wappenbuch von Gelre aus dem späten Mittelalter findet: Rot ist dort der Adler. Nicht schwarz wie der damalige Reichsadler, nicht gelb, wie heute im Logo der Brandenburger FDP und auch nicht weiß, wie es sich der Architekt des Potsdamer Landtags für den neuen Plenarsaal vorstellt. Was in Potsdam einige Adlerfreunde derzeit arg in Rage bringt.

Zum Beispiel am vergangenen Dienstag, als das Kabinett den Nachtragshaushalt beschloss und Finanzminister Helmuth Markov vor dem Untersuchungsausschuss zum Grundstücksverkauf in Oranienburg aussagen musste. An diesem Tag nutzte der Vorsitzende der größten Oppositionsfraktion im Potsdamer Landtag, Dieter Dombrowski (CDU), große Teile seiner wöchentlichen Pressekonferenz, um die wirklichen Sorgen der Brandenburger in den Blick zu nehmen. Dombrowski regte sich über die Farbe des Adlers im Plenarsaal auf. Sogar einen eigenen, roten Adler lassen die Unionsabgeordneten nun in den Babelsberger Filmstudios anfertigen, um zu demonstrieren, dass das Wappentier keineswegs wie ein "Blutfleck" an der Wand wirke, wie es Architekt Peter Kulka formuliert haben soll. "Über Kunst lässt sich streiten, jedoch gibt es keinen Interpretationsspielraum bei einem Hoheitszeichen, welches eindeutig in der Landesverfassung beschrieben wird und für unsere Heimat Brandenburg steht", sagte an eben jenem Dienstag auch der Landesvorsitzende der Brandenburger Union, Michael Schierack.

Zu den anderen Themen des Tages dagegen meldeten sich andere Abgeordnete, nicht aber die Führungsspitze der Union zu Wort. Doch zumindest für die CDU-Politiker ist es ja auch klar: Welche Farbe der landeseigene Wappenvogel im Plenarsaal hat, ist ein eminent wichtiges, landespolitisches Thema von allergrößter Bedeutung. Schließlich demonstriert die Beschäftigung damit Traditionsbewusstsein, Kenntnisse der Brandenburger Geschichte und natürlich Heimatverbundenheit, kurz: Kernwerte der CDU. Dazu kommt Bürgernähe, immerhin haben ja schon mehr als 500 Brandenburger eine Online-Petition für einen roten Adler im Plenarsaal unterzeichnet. Und, so müssen es sich die Christdemokraten gedacht haben, vielleicht sogar Regierungsfähigkeit. Eine Tugend, die der Brandenburger CDU in den vergangenen Jahren ja eher ab- als zugesprochen wurde.

Doch vielleicht ist der rote Adler im Plenarsaal ja auch ein Symbol der Trendwende - und das "Steige hoch, du roter Adler" aus der "Märkischen Heide" gilt dann künftig auch für die Brandenburger CDU. . .