Der Frühjahrsgipfel in Brüssel warf nochmal ein Schlaglicht auf die unterschiedlichen Strategien der EU und der USA in der Finanzkrise. Die Europäer halten nichts davon, immer neues Geld ins System zu pumpen wie die USA. Eher symbolischen Wert haben deshalb auch die Milliardenhilfen für Osteuropa und für Energieprojekte, auf die sich der Gipfel einigte. "Ich halte dies für einen erfreulichen Gipfel, auf dem Deutschland seine Ziele auch durchsetzen konnte", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem zweitägigen Treffen in Brüssel. Merkel verhinderte, dass europäische Konjunkturhilfen von fünf Milliarden Euro in Projekten verpuffen, die keinerlei Krisen-Impule liefern. Dafür stimmte die Kanzlerin überraschend einer Verdopplung der Notkredite für osteuropäische Mitgliedsländer zu. Im Kampf gegen die Wirtschaftskrise wendet die Weltgemeinschaft immer schwindelerregendere Beträge auf. Da ist es bezeichnend, dass sich die EU erst nach einem monatelangen Streit auf ihr Fünf-Milliarden-Euro-Paket einigen konnte. "Peanuts" nennt der finnische Außenminister Alexander Stubb diese Hilfen aus dem EU-Budget, mit dem Energieprojekte und schnelle Internetanbindungen finanziert werden sollen. Der FDP-Politiker und Europa-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff hält das Konjunkturpaket für so klein, dass es vermutlich "keinerlei Auswirkungen" haben wird. Genau das aber nehmen die Staats- und Regierungschefs mit ihrem Minimalkompromiss in Kauf. Denn an baureifen Energieprojekten, wie sie Merkel als Bedingung für eine Förderung durchsetzte, herrscht in der EU Mangelware. "Aggressives" Handeln, wie es US-Präsident Barack Obama vor dem Weltfinanzgipfel von den G 20-Mitgliedern gefordert hat, zeigt die EU mit ihren Gipfelbeschlüssen nicht. Die USA geben 787 Milliarden US-Dollar (rund 600 Milliarden Euro) gegen die Wirtschaftskrise aus, das entspricht 5,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank forderten höhere Konjunkturhilfen. Nicht nur Merkel hat in den vergangenen Wochen vor einem "Überbietungswettbewerb" mit den USA gewarnt. Um gegenüber Washington nicht als knausrig dazustehen, verfallen die Europäer in Rechenspiele. "Mehr als 400 Milliarden Euro" gibt die EU nun nach der Gipfel-Sprachregelung für Konjunkturspritzen aus, rund 3,3 Prozent des BIP. Eine wundersame Verdopplung: Im Dezember hatte sich die EU auf ein Konjunkturprogramm von 200 Milliarden Euro geeinigt, die sich vor allem aus den nationalen Hilfspaketen zusammensetzen. Die "neuen" 200 Milliarden Euro entfallen vor allem auf Arbeitslosenhilfen, die infolge der Wirtschaftskrise deutlich steigen. Hartz-IV-Empfänger in Deutschland könnten das als Zynismus empfinden, wenn die EU diese Hilfen nun als Konjunkturspritze darstellt.