Brandenburgs Linke kämpfen weiter für die Gemeinschaftsschule. Am Freitag haben der Fraktionsvorsitzende Ralf Christoffers und die bildungspolitische Sprecherin Kathrin Dannenberg ein Konzept zur Einführung der von den Linken präferierten Schulform noch in dieser Legislaturperiode vorgestellt.

Dabei handelt es sich um Schulen, an denen die Kinder von der ersten bis zur 13. Klasse gemeinsam lernen sollen und an denen alle Schulabschlüsse möglich sein sollen. Auf Klassenwiederholungen und die Einteilung von Schülern entsprechend ihrer Fachleistungen, wie es bislang an Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe der Fall ist, soll dagegen verzichtet werden.

Ab dem Schuljahr 2017/2018 soll das Konzept dem Willen der Linken zufolge an ausgewählten Brandenburger Schulen erprobt werden. Gerade im ländlichen Raum würden Gemeinschaftsschulen künftig eine große Bedeutung bekommen, ist Dannenberg überzeugt. Künftig werde der demografische Wandel dazu führen, dass nicht mehr überall alle Schulformen als eigenständige Schule angeboten werden könnten.

Verweis auf den Koalitionsvertrag

"Heute wählen Eltern für ihre Kinder das Gymnasium, weil sie glauben, dass ihr Kind dort besonders gefördert wird", sagt Dannenberg. "Aber dann wechseln viele Kinder zurück auf die Oberschule, weil sie den Druck dort nicht mehr aushalten."

"Der Koalitionspartner kennt unser Konzept", sagt der Fraktionsvorsitzende der Linken, Ralf Christoffers. Die Linkspartei berufe sich in ihrem Papier ausdrücklich auf den Koalitionsvertrag. Tatsächlich heißt es darin: "In Zukunft wird überall dort, wo die Schulträger und die Eltern es wünschen, die Fusion von Grundschulen mit Oberschulen beziehungsweise Gesamtschulen zu Schulzentren möglich sein." Und: "Auch Gymnasien können in die Schulzentren einbezogen werden. Gemeinsames Lernen aller Kinder soll von der 1. Klasse bis zum Schulabschluss möglich sein."

"Wir sind aufgefordert, einen Vorschlag zu unterbreiten, wie man das umsetzt", sagt Christoffers. "Wir sind aufgefordert, vor dem Rückgang der Schülerzahlen den Zugang zur Bildung zu ermöglichen." Aber im Koalitionsvertrag steht doch der Begriff Schulzentren? "Schulzentren können eine Form der Gemeinschaftsschule sein", sagt Christoffers auf Nachfrage.

SPD: Keine neuen Schulversuche

Brandenburgs SPD allerdings sieht das gründlich anders. "Von einer Gemeinschaftsschule wird im Koalitionsvertrag ganz bewusst nicht gesprochen", sagt Bildungsminister Günter Baaske (SPD). Örtlich gemeinsames Lernen von der Grundschule bis zum Abitur sei schon heute möglich, wenn die Schulträger dies wollten. "Was wir nicht brauchen, sind neue Schulversuche", so Baaske. "Wir brauchen Schulfrieden - und ich will, dass wir das Bestehende nutzen, und behutsam weiterentwickeln."

Auch die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Simona Koss, erteilte dem Vorschlag der Linken eine Absage. "Die SPD will keine Experimente über die Köpfe von Schülern, Eltern, Lehrern und Schulträgern hinweg." Für die Zukunftschancen junger Menschen sei es deutlich wichtiger, den Übergang von der Schule ins Berufsleben zu verbessern, anstatt eine neue Schulform einzuführen. Deutlich äußerte sich auch der bildungspolitische Sprecher der Brandenburger CDU, der Prignitzer Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann. "Der Mehrwert von Schulzentren ist völlig unklar", sagt Hoffmann. "Tatsächlich sind "Schulzentren" bloß ein Placebo, das die SPD der Linken gegeben hat, die eigentlich die Einheitsschule einführen und damit die Gymnasien in Brandenburg abschaffen will." Die CDU warne davor, mit mehrdeutigen Diskussionen über Schulzentren den Schulfrieden in Brandenburg zu gefährden.