Für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung bekommt der französische Ökonom Jean Tirole den Nobelpreis für Wirtschaft 2014. Der 61-Jährige habe gezeigt, wie Industrien mit nur wenigen Großunternehmen - zum Beispiel Bahn, Post oder Telekommunikation - verstanden und reguliert werden könnten, erklärte die Königlich-Schwedische Akademie am Montag in Stockholm. "Ich bin sehr, sehr dankbar", sagte Tirole über die Ehrung.

"Der diesjährige Preis handelt vom Zähmen mächtiger Firmen", sagte der Ständige Sekretär der Wissenschaftsakademie, Staffan Normark. Dabei geht es zum Beispiel um das Verhalten dieser Unternehmen in Oligopolen - also Märkten, in denen oft nur eine Handvoll dominanter Anbieter einer großen Menge von Nachfragern gegenübersteht.

Damit Firmen, die gar keine oder nur wenige große Wettbewerber haben, ihre Macht nicht ausnutzen und etwa Preisabsprachen treffen, "darf die Regierung sie nicht einfach frei walten lassen", sagte Per Strömberg, Mitglied des Stockholmer Komitees. "Tirole hat Wege erforscht, den Wettbewerb in diesen Märkten auf die absolut beste Art und Weise zu regulieren" - und zwar nicht mit einer Lösung für alle.

Stattdessen müssten mächtige Firmen in unterschiedlichen Märkten auch unterschiedlich reguliert werden. Das habe der Franzose nicht nur theoretisch erforscht. "Er findet auch Lösungen", sagte Strömberg. Seine Erkenntnisse nützten Wettbewerbsbehörden weltweit, wenn diese etwa über Preis-Dumping oder Fusionen entscheiden müssten.

Genau angesehen hat sich der Franzose, wie sogenannte zweiseitige Märkte reguliert werden können. Das betrifft Branchen wie Medien, Kreditkarten oder soziale Netzwerke, bei denen zwei Gruppen eine Plattform nutzen - bei einer Tageszeitung etwa Leser und Werbekunden.

"Tirole hat gezeigt, dass man bei diesen Plattform-Märkten nicht in derselben Weise über Wettbewerb - und was dafür gut oder schlecht ist - nachdenken kann wie in den traditionellen Märkten", sagte Juror Strömberg. In der Medien- und Internetbranche sorgt derzeit vor allem die Marktmacht von US-Konzernen wie Google oder Amazon für Diskussionen.

Die Jury nannte Tirole "einen der einflussreichsten Ökonomen unserer Zeit". Nach Angaben des Nobelkomitees ist er nach Maurice Allais (1988) und Gérard Debreu (1983) der dritte Franzose, der den begehrten Preis bekommt. Er lehrt an der Universität Toulouse. Zu Tiroles Arbeitsschwerpunkten gehören industrielle Organisation, Banken- und Finanzwesen sowie psychologische Aspekte der Wirtschaftswissenschaft. 2011 erhielt er die Ehrendoktorwürde von der Universität Mannheim.

Der Wirtschaftspreis ist keiner der traditionellen Nobelpreise, die auf den letzten Willen des schwedischen Industriellen Alfred Nobel zurückgehen. Die Reichsbank stiftete ihn nachträglich 1968. Deshalb trägt die Auszeichnung nicht offiziell den Namen Nobelpreis.