Auf die mehr als drei Meter hohe Pflanze, deren Blütenstände im Sonnenschein schimmern, werden Fremde sofort aufmerksam. Das nicht gerade alltägliche Gewächs mutet majestätisch an, ist aber eine gefährliche Schönheit. Die Hobbygärtnerin Jutta Völlger aus Weißwasser (Kreis Görlitz) weiß, dass sie dort Riesen-Bärenklau zu stehen hat.

In Berührung sollte der Mensch mit dieser Pflanze besser nicht kommen. Denn um sich gegen Pflanzenfresser zu schützen, hat der aus dem Kaukasus eingeschleppte Doldenblütler Gift in fast allen Bestandteilen. Es wirkt auf menschliche Haut fototoxisch und kann zu Hautveränderungen und starken Verbrennungen führen. Überliefert ist, dass Kinder die hohlen Stiele der Pflanze als Blasrohre genutzt haben. Geschwollene Lippen und Gesichter sowie medizinische Behandlungen waren die schmerzhafte Folge.

Nach Angaben von Thomas Frey vom Brandenburger Umweltamt ist die auch Herkulesstaude genannte Pflanze in den 1970er-Jahren wegen ihrer dekorativen Fruchtstände eine Modepflanze in Hausgärten gewesen. Vor allem in Mittelgebirgslandschaften entlang von Flussläufen war sie anzutreffen. Vereinzelte Bestände gebe es auch in Brandenburg, so in der Nähe von Frankfurt (Oder). Dort wurde bei Heinersdorf in den 1960er-Jahren der Riesen-Bärenklau im Auftrag des DDR-Landwirtschaftsministeriums als Futterpflanze getestet.

Mehr als ein Versuch, so Frey, wurde nicht daraus. Mit der Pflanze und ihren Nebenwirkungen hat die Region noch heute zu kämpfen. "Problematische, große Vorkommen, die natürliche Lebensräume bedrohen, sind in Brandenburg bislang selten", schätzt der Sprecher des Landesumweltamtes ein. Aber Vorsicht sei auf jeden Fall geboten.

Im Unterschied zum Riesen-Bärenklau ist das orientalische Zackenschötchen in Brandenburg wenig verbreitet. "Dennoch sind wir schon sensibilisiert worden, auf die gelb blühende Pflanze zu achten", räumt der Vorsitzende des Bauernverbandes Südbrandenburg Thomas Goebel gegenüber der RUNDSCHAU ein.

Das Zackenschötchen ist eine rapsähnliche Pflanze, die bis zu zwei Meter hoch werden kann. Der Exot nistet sich auf Wiesen und Weiden ein. Er schafft es, die ursprünglich vorhandene Wiesenvegetation nahezu komplett zu verdrängen. Damit wird Heu für Tiere ungenießbar. Hinzu kommt, dass die Pflanze im Winter abstirbt, der Boden freiliegt und der Erosion ausgesetzt ist.

Umweltamtssprecher Thomas Frey verweist darauf, dass das Zackenschötchen in Teilen Brandenburgs seit den 1950er-Jahren fest eingebürgert ist. "Die Pflanze ist nicht giftig, zeitweise wurde sie sogar versuchsweise zur Futtergewinnung angebaut", erläutert Frey. Dem Eindringen in Grünlandflächen könne am besten durch eine gute Narbenpflege vorgebeugt werden, mit der die Keimungsbedingungen für die Art verschlechtert werden.

"Wir müssen unsere Landwirte auf die Exoten und damit verbundene Gefahren immer wieder hinweisen", sagt Thomas Goebel. Gerade hat er bei der Getreideernte bei einem Landwirt im Nebenerwerb nahe Vetschau wieder Ambrosia-Pflanzen entdeckt. "Was dort in der näheren Umgebung wächst, scheint manchen Landwirt nicht zu interessieren", schildert Goebel. Doch Allergiker fürchten bereits die Invasion, denn die Ambrosia beginnt zu blühen.

Betroffen ist vor allem der Süden Brandenburgs. Der Ambrosia-Atlas Berlin-Brandenburg (siehe Infobox) weist um Vetschau und Drebkau eine hohe Ausbreitungsdichte der Pflanze aus, die auch Asthma auslösen kann. Zwar geht das Umweltministerium davon aus, dass sich die Belastung durch den Pollenflug in diesem Jahr etwa auf dem Vorjahresniveau bewegen werde. Doch das ist kein Trost, denn Betroffene wissen, dass der Pollenflug bis zum ersten Frost dauern kann. Ambrosia wächst häufig an Straßenrändern, Autobahnen, Feldern und in Kleingärten - aber auch an Vogelfütterplätzen. Denn ein Faktor bei der Einschleppung der Pflanze nach Deutschland war verunreinigtes Vogelfutter.

Die Ambrosia erkennt man an kleinen, gelblichen und glockenförmigen Blüten, die sich an Astspitzen und Stängel befinden. Die Stadt will 2015 erstmals mit einer Pollenfalle messen, wie hoch die Belastung ist. Über die Bewilligung von Fördermitteln sei in Potsdam aber noch nicht entschieden worden. Wie viel die Bekämpfung der Exoten sowie Folgeschäden kosten, hat das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig berechnet. So würden durch Allergie-Therapien und Arbeitsausfälle in Deutschland alleine durch Ambrosia jährlich Kosten von mindestens 200 Millionen Euro entstehen. Der Riesenbärenklau schlägt laut Umweltbundesamt immer noch mit zwölf Millionen Euro jährlich zu Buche.

Was die Beseitigung der Ambrosia betrifft, habe sich für Thomas Goebel bisher nur eine Methode bewährt: die Pflanze unter Schutz auszureißen. "Drei Jahre hintereinander, dann ist Ruhe."

Zum Thema:
Vor einigen Jahren wurde für Berlin-Brandenburg ein Atlas mit Standorten der Ambrosia erstellt. Die Karte ist im Internet abrufbar unter der Adresse ambrosia.met.fu-berlin.de. Demzufolge gibt es viele Ambrosia-Pflanzen nicht nur in Südbrandenburg, sondern auch in und um Berlin. Zudem ist eine App für Smartphones eingerichtet worden, mit der neue Gebiete gemeldet werden können. Rund 10 000 Nutzer gibt es dem Land Brandenburg zufolge schon.