Es ging einfach nicht mehr zwischen den beiden starken Männern am BER, Hartmut Mehdorn und Horst Amann. Statt sich gemeinsam auf die Fertigstellung des Pannen-Airports zu konzentrieren, verstrickten sich die beiden Manager seit dem Sommer im Unterholz der Rechthabereien und maskulinen Eitelkeiten. Beim Streit der beiden Männer ging es um die entscheidende Frage: Mit welcher Strategie soll der Chaos-Flughafen möglichst schnell an den Start gebracht werden?

Mehdorn will testen

Hartmut Mehdorn setzt dabei auf sein "Sprint"-Programm. Dabei konzentriert er sich auf den Nordflügel des künftigen Hauptstadtflughafens. Dort will er, möglichst schon im kommenden Jahr, einen "Test im Echtbetrieb" durchführen. Mehdorn rechnet mit zusätzlichen Kosten von sieben bis acht Millionen Euro.

Horst Amann hält das für einen teuren Fehler. Statt den Nordflügel extra für den Test umzubauen und zeitweilig mit Kontroll-Schleusen und Gepäckbändern auszurüsten, plädierte er für eine Fertigstellung eines zentralen Teils des Hauptterminals. Dort ist die Technik ohnehin vorhanden.

Mehdorn konnte nicht mit Amann, und er wollte auch nicht mehr mit ihm. Der kommissarische Aufsichtsratsvorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), wusste bereits bei der Aufsichtsratssitzung Mitte September, dass Amann in der Position nicht zu halten war. Spätestens als der Machtkampf zwischen den beiden Alpha-Tieren öffentlich über Zeitungsinterviews ausgetragen wurde, war der Technik-Chef nicht mehr zu retten. Ein Festhalten an Amann hätte eine Demontage von Mehdorn bedeutet. Aber Wowereit ist selbstbewusst genug, um sich sein Handeln nicht von einem hyper-agilen Vorstandschef und den Medien diktieren zu lassen. Deshalb trat er im September auch vor die Presse und redete davon, dass die beiden Manager "professionell zusammenarbeiten" müssten.

Genervte Aufsichtsräte

Klar war aber schon damals, dass sich Hartmut Mehdorn mit solchen Ansagen nicht auf Dauer zufriedengeben wird. Wenn der wuselige BER-Chef sich ein Ziel gesetzt hat, lässt er nicht locker. Außerdem waren auch immer mehr Mitglieder des Aufsichtsrates zunehmend genervt von dem öffentlichen Machtkampf zwischen den Managern. Dabei verlor Amann zusehends an Rückhalt in dem zwölfköpfigen Gremium.

Es war wohl vor allem der Vertreter des Bundesverkehrsministeriums im Aufsichtsrat, Staatssekretär Rainer Bomba, der Amann nicht ohne Weiteres fallen lassen wollte. Aber Bombas Zukunft im Aufsichtsrat ist mehr als unsicher. Nach der Bildung einer neuen Bundesregierung dürfte auch der Vertreter des Ministeriums im BER-Aufsichtsrat ausgewechselt werden.

Vor allem die Techniker und Bauexperten halten große Stücke auf Amann. Doch sie hatten beobachten müssen, wie er in den zurückliegenden Monaten von Mehdorn fachlich kaltgestellt worden war. Immer mehr Entscheidungen gingen an ihm vorbei. Der BER-Vorstandschef hatte auch alle technischen Fragen in seiner "Sprint"-Arbeitsgruppe konzentriert. Amann wurde auf diese Weise immer mehr zum Statisten und zur "lahmen Ente" im riesigen System des BER. Er war nur noch eingeschränkt handlungsfähig. Das ist auch der Grund dafür, weshalb seine Position jetzt nicht nachbesetzt werden muss.

Für Horst Amann selbst kam die jetzige Abberufung nicht überraschend. In einem Brief an Klaus Wowereit hatte Horst Amann bereits am 16. September vorgeschlagen, ihn bei der Flughafen-Gesellschaft anderweitig einzusetzen. Das erspart dem Unternehmen offenbar auch eine millionenschwere Abfindung für den Mann, der nach dem Rauswurf von Rainer Schwarz im Sommer 2012 als neuer Retter für den Pannen-Airport gefeiert worden war.