Jetzt starb Sáenz, alias Alfonso Cano, bei einem Angriff des Militärs. Er war 63 Jahre alt.

Geboren wurde er am 22. Juli 1948 in Bogotá als Sohn eines Diplom-Landwirts und einer konservativ eingestellten Lehrerin – eine Mittelklasse-Familie. Sáenz bestach durch seine Intelligenz, in seinem Freundeskreis zeichnete er sich aber vor allem als exzellenter Tänzer aus. Nicht selten machte er am Wochenende die Nacht zum Tage und ging dann Sonntags nach der Party direkt ins Stadion: Der Fußball war seine andere große Leidenschaft.

Doch während seines 1968 begonnenen Anthropologie-Studiums änderte sich Sáenz' Leben radikal. An der Universidad Nacional wurde er zum überzeugten Marxisten und trat bald der Kommunistischen Partei bei. Dort fiel er auch der Führung der Farc-Guerilla auf, die 1964 gegründet worden war. Sáenz begann, die Untergrundkämpfer im Marxismus zu unterrichten. Beeinflusst vom damaligen Farc-Chefideologen Alberto Morantes, alias Jacobo Arenas, zog er schließlich in den 1970er-Jahren selbst in die Berge und legte sich den Decknamen Alfonso Cano zu.

Von da an stieg der Mann mit dem dichten Bart – den er sich erst vor wenigen Tagen abrasiert haben soll – und der großen Brille stetig in der Hierarchie der Guerilla auf. In den 1980er-Jahren wurde er gefasst, kam aber bei einer Amnestie frei. Im Jahrzehnt darauf galt er bereits als Chefideologe der Farc und wurde deren Sprecher im gescheiterten Friedensprozess mit der Regierung von Präsident César Gaviria.

Im März 2008 stieg er schließlich zur „Nummer eins“ der Farc auf, als Nachfolger des an einem Herzinfarkt gestorbenen Rebellenführers Pedro Antonio Marín. Bei der Regierung hatte dies Hoffnungen auf einen neuen Friedensdialog geweckt, denn Sáenz hatte ein eher politisches denn militärisches Profil. Doch dazu kam es nicht mehr.