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Vom Manager zum Ministerpräsidenten

Was Auftritte auf dem politischen Parkett angeht, ist Finnlands nächster Regierungschef noch unbeholfen. Nach seinem Sieg bei der Parlamentswahl hält sich der frühere Unternehmer Juha Sipilä noch zurück. dpa/sm

In der IT-Branche hat der 53-Jährige ein Vermögen verdient. Jetzt will sich der Ex-Manager das Unternehmen Finnland vorknöpfen.

Angesichts der tiefen Wirtschaftskrise steht der neue finnische Ministerpräsident vor keiner leichten Aufgabe. Doch viele Finnen vertrauen ihrem Landsmann, der trotz seiner Millionen als zurückhaltend und bescheiden gilt. Mit seiner Erfahrung als erfolgreicher Unternehmer soll ihr Land auch endlich wieder in die Erfolgsspur kommen. "Ich denke, das Prinzip ist dasselbe: Du musst eine Vision und Ziele haben und dich auf wenige Dinge konzentrieren", sagte Sipilä im Rundfunk.

Politisch ist der Brillenträger mit schütterem Haar ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt. Seit 2011 sitzt er im finnischen Parlament, 2012 wurde er zum Chef der ländlich geprägten Zentrumspartei gewählt. Für die Liberalen ist er ein ungewöhnliches Mitglied. Als gläubiger Christ ist er etwa Anhänger der konservativen Bewegung Rauhan Sana ("Wort des Friedens"), die unter anderem Abtreibung ablehnt.

Und doch hat die Partei mit ihm einen Glücksgriff gemacht. Dabei ist Sipilä kein so smarter Weltmann wie der bisherige Regierungschef Alexander Stubb. Beim Joggen würde der Regierungschef ihm wohl vom Start weg davonlaufen, und wenn der frühere Geschäftsmann englisch spricht, dann tut er das mit breitem finnischen Akzent.

Doch gerade seine Bodenständigkeit und Zurückhaltung kommt bei den Finnen an. "Er ist sehr pragmatisch, kooperativ und gelassen. Er streitet nicht gern", sagt der Politikwissenschaftler Markku Jokisipilä von der Uni Turku.

Mitten im Wahlkampf musste Sipilä einen großen Verlust verkraften. Sein jüngster Sohn Tuomo starb mit 20 Jahren unerwartet, nachdem bei einer Operation Komplikationen aufgetreten waren. Die Nachricht erfuhren die Finnen aus Sipiläs Blog: "Dies sind die schwersten Worte, die ich je geschrieben habe." Mit seiner Frau Minna-Maaria hat Sipilä außer Tuomo noch vier Kinder und sechs Enkelkinder.