Cartwright als Liebling von US-Präsident Barack Obama. Der Oberbefehlshaber im Weißen Haus vertraute dem damaligen Viersterne-General laut Insidern mehr als anderen Top-Militärs. Vor wichtigen Entscheidungen - wie etwa im Afghanistan-Krieg - hörte er auf seine Meinung.

Doch dann muss etwas passiert sein. An jenem Tag bat Obama den einstigen Kampfpiloten zu einem Gespräch und sagte ihm für den Job als Generalstabschef der Streitkräfte ab, obwohl er als großer Favorit für den Posten galt.

Cartwrights vier Jahrzehnte lange, meist mustergültige Karriere als Soldat, die 2007 mit der Ernennung zum Vize-Generalstabschef ihren Höhepunkt fand, war plötzlich in der Sackgasse. Heute arbeitet der 63-Jährige als Verteidigungsexperte für den Thinktank Center for Strategic and International Studies in Washington. Das Institut bezeichnet ihn als Mann mit einer "Vision für künftige nationale Sicherheitskonzepte", die kreativ und innovativ seien. Nun berichten amerikanische Medien, dass gegen Cartwright wegen Geheimnisverrates ermittelt werde. Offizielle Bestätigungen dafür gibt es nicht.

Obamas Absage für den Top-Job sei zeitlich mit den Enthüllungen über die aufsehenerregende "Stuxnet"-Computerattacke der USA gegen den Iran zusammengefallen, schreibt das Magazin "Politico". Zufall? Wenige Monate vor dem Gespräch ermittelte das Pentagon gegen Cartwright wegen einer angeblichen sexuellen Affäre mit einer Untergebenen. Es gab keinerlei Beweise. Von den Vorwürfen blieb der Rüffel, dass er mit der Frau nicht richtig umgegangen sei. Cart wrights Frau ließ sich wenig später von ihm scheiden.

Cartwright, geboren am 22. September 1949 im US-Staat Illionois, diente seit 1971 im Marine Corps und machte sich einen Namen als Pilot von Kampfliegern wie der F-4 oder der F/A-18. Schnell kletterte der kernige Typ mit dem Spitznamen "Hoss" die Befehlsleiter nach oben. Er machte einen Uniabschluss im Fach "Nationale Sicherheit". Von 1996 an übernahm er leitende Positionen im Pentagon. Er entschied über teure Waffenentwicklungen, Operationspläne und auch über Angriffs- und Ab wehrkonzepte im Cyberkrieg.