"Dass hier der größte Binnensee Brandenburgs entsteht, macht mich schon sehr stolz", erklärt der 58-Jährige. "Ich glaube fest an die Visionen für den Cottbuser Ostsee.". Und dieses unerschütterliche Vertrauen in die Zukunftspläne seiner "Stadt am See" gibt der selbstständige Gästeführer begeistert weiter.


Als Manfred Kleefeld, der gebürtige Sachse, Anfang der 80er-Jahre in die Lausitz kam, hatten die Bagger gerade damit begonnen, die erste Kohle in Cottbus-Nord zu bergen. "Ich kenne den Tagebau praktisch seit der ersten Stunde", erzählt der Elektroingenieur. Neben einer neuen beruflichen Herausforderung habe im Herzen des Reviers damals die moderne Plattenbauwohnung gelockt. Kleefeld wurde Bauleiter für den Gleisbetrieb der Lausitzer Tagebaue und sorgte viele Jahre federführend mit dafür, dass der fossile Rohstoff über die Schienenwege und Kohlebahnhöfe zuverlässig in die Kraftwerke und Brikettfabriken transportiert wurde.

"Nach der Wende bin ich in die Liegenschafts- und Grundstücksverwertung gewechselt", berichtet der Cottbuser. Dort seien die ersten Nachnutzungskonzepte für das Lausitzer Seenland entwickelt worden. Jänschwalde-Süd, also der Klinger See in unmittelbarer Nachbarschaft des Ostsees, sei eine seiner "großen Spielwiesen" gewesen. "Das Ende meiner Tätigkeit in der Bergbausanierungsplanung war vor drei Jahren auch mein Neustart - als selbstständiger Gästeführer und Reiseleiter in Cottbus.

Und der Job macht mir riesige Freude", erzählt Manfred Kleefeld. Denn den Wandel, der sich in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft in rasantem Tempo vollzieht, spüre er am eigenen Leib - als Kohlekumpel, der inzwischen vom Tourismus lebt.

Ein Fünftel des Stadtgebietes


Die Stadt Cottbus habe im Vergleich zu den anderen See-Anrainern in der Lausitz früh damit begonnen, sehr konkrete Pläne für die Nachnutzung der Tagebaufolgelandschaft zu schmieden, lobt Brigitte Scholz, Projektmanagerin der Internationalen Bauausstellung (IBA). Ein Fünftel des gesamten Cottbuser Stadtgebietes mache die Fläche des künftigen Ostsees aus. Noch graben sich die Baggerzähne hier in das zweite Lausitzer Flöz. Und das ausgekohlte Restloch wird erst in gut zehn Jahren als Gewässer echte Konturen annehmen. Auf dem Papier aber hat der Ostsee bereits konkret Gestalt angenommen.

Im Schulterschluss der See-Anrainer - das sind Cottbus und die Gemeinden Teichland, Neuhausen sowie Wiesengrund - seien bereits entscheidende Weichen gestellt worden für die Verbindung des Binnengewässers mit der Kernstadt über eine Straße auf der Trasse der Kohlegrubenbahn, für ein Hafenzentrum, eine Promenade, eine See-Bühne, einen Rundweg und Strandbereiche. "Der Ostsee wird in erster Linie der Naherholung der Cottbuser und der Menschen aus dem Umland dienen", sagt Brigitte Scholz.

Deutlich frühzeitiger als die Nachbar-Landkreise und "trotzdem teilweise schon zu spät" habe Cottbus die Zukunftsplanungen für den Ostsee in Angriff nehmen können, sagt Ilona Kiese vom Stadtplanungsamt. Sie ist die "Frau der ersten Stunde" in der kommunalen Schmiede für die Zukunftspläne des Sees. "Auf die Gestaltung wichtiger Böschungen für die Nachnutzung konnten wir leider schon keinen Einfluss mehr nehmen, weil die Abbaukanten feststehen", erläutert sie. Eigentlich müsse schon vor dem Aufschluss eines jeden neuen Tagebaus feststehen, wie das Restloch nachgenutzt werden solle, schlussfolgert sie.

Denn das Erbe des Abbaus werde maßgeblich von technologischen Planungen für das Bergen der Kohle bestimmt. Die Neigungen der entstehenden Böschungen seien sehr entscheidend für die Uferbereiche, die später als Strände hergerichtet werden sollten. Hafenbecken könnten schon während des aktiven Bergbaus in den späteren Seekörper geschnitten werden. Für den Ostsee sei diese Chance vergeben worden. "Jetzt werden alle aufwändigen baulichen Anlagen natürlich viel teurer", stellt Ilona Kiese fest.

Finanzieller Kraftakt


Da nur ein Teil des Bergbau-Geländes Cottbus-Nord auf dem Terrain liegt, für das die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) verantwortlich ist, ist der finanzielle Kraftakt vom Restloch zum Ostsee hauptsächlich von der Stadt Cottbus und den drei kleineren Anrainer-Kommunen zu schultern. Das bestätigt IBA-Projektmanagerin Brigitte Scholz.

Für die im Lausitzer Sanierungsgebiet gelegene Tagebau-Restloch-Kette hat das Land Brandenburg millionenschwere Fördertöpfe geöffnet, um Kommunen beim Umsetzen von Projekten für die Nachnutzung zu unterstützen (Paragraf 4-Mittel des Braunkohleverwaltungsabkommens). Für den noch aktiven Tagebau Cottbus-Nord steht eine solche Finanzspritze bisher nicht zur Verfügung. "Das Bekenntnis des Landes, auch diesen riesigen See für Naherholung und Tourismus mit flott machen zu wollen, braucht aber auch Cottbus dringend. Allein können die Ostsee-Anrainer das nicht stemmen", schätzt Brigitte Scholz ein.

Und auch die Hoffnungen von Manfred Kleefeld sind darauf gerichtet, "dass die tollen Pläne für den Ostsee nach dem Bergbau zügig umgesetzt werden können".