Ein Jahr Haft auf Bewährung und 200 000 Euro in die Staatskasse. Mit dieser inzwischen rechtskräftigen Verurteilung wegen Bestechlichkeit und Betrug endet endgültig das Kapitel Jochen Großmann auf der Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens BER. Großmann, vor wenigen Monaten noch Technik-Chef am BER, akzeptierte einen entsprechenden Strafbefehl des Amtsgerichtes Cottbus.

Damit vermeidet er ein öffentliches Gerichtsverfahren. Der Strafbefehl liegt mit einem Jahr Haft auf Bewährung an der obersten Grenze dessen, was ohne öffentliche Hauptverhandlung strafrechtlich möglich ist. "Wir sehen durch die Ermittlungsergebnisse unseren Weg der Null-Toleranz-Linie gegenüber Korruption bestätigt", äußert sich zufrieden am Montag Flughafenchef Hartmut Mehdorn.

Der hatte Jochen Großmann aus Dresden 2013 als Berater auf die Pannenbaustelle in Schönefeld geholt. Im Frühjahr 2014 wurde er dann als Nachfolger des Ende 2013 geschassten Technik-Chefs Horst Ammann eingestellt, der sich mit Mehdorn einen Machtkampf geliefert hatte und dabei unterlag.

Großmann ist Chef der Gicon-Firmengruppe, eines Zusammenschlusses von etwa einem Dutzend Ingenieur- und Consulting-Unternehmen mit mehreren Hundert Mitarbeitern. In Sachsen genießt Großmann bisher hohes Ansehen. Im Frühjahr landete er beim Wettbewerb "Unternehmer des Jahres" noch auf Platz zwei.

Großmann sollte in Schönefeld vor allem die fehlgeplante Entrauchungsanlage mit dem Spitznamen "das Monster" in Gang bringen. Doch dabei kam er laut Strafbefehl in folgender Weise vom rechten Wege ab.

Im Zusammenhang mit einem Planungsauftrag forderte Großmann von einem Bieter, die Summe des Auftrages von 1,3 auf 1,8 Millionen Euro heraufzusetzen. Dafür sollte die Firma bei einem Großmann-Unternehmen gar nicht notwendige Software für 350 000 Euro kaufen und das Unternehmen des damaligen Beraters für 120 000 Euro als Subunternehmer beschäftigen. Großmann sorgte dann laut Staatsanwaltschaft dafür, dass die Firma, mit der er diese Vereinbarung getroffen hatte, den Planungsauftrag für 1,8 Millionen Euro erhielt.

Doch internen Prüfern der Bieterfirma war die seltsame Preiserhöhung aufgefallen. Sie informierten die Flughafengesellschaft. Die beurlaubte Großmann und kündigte ihm später fristlos. Der Planungsauftrag wurde für die wirklich notwendige Summe von 1,3 Millionen Euro erledigt. Deshalb wurde der Ex-Technik-Chef dafür nur wegen versuchten Betruges verurteilt.

Bei einigen Abrechnungen seiner Firma war der Betrug aber vollendet. Laut Strafbefehl hat das Unternehmen von Großmann direkt oder als Subunternehmer für 49 000 Euro Arbeiten abgerechnet, die nicht erbracht wurden.

Jochen Großmann ließ gestern durch einen Sprecher seiner Gicon-Gruppe eine Erklärung verbreiten, die kein Wort eines Schuldeingeständnisses enthält. Er habe danach den Strafbefehl akzeptiert, um ein sicherlich langwieriges Strafverfahren zu vermeiden. "Professor Großmann stellt damit seine persönlichen Interessen zurück und die Handlungsfähigkeit seiner Unternehmensgruppe und damit sein Lebenswerk in den Vordergrund", teilte der Unternehmenssprecher mit.

Die Millionenaufträge rund um den BER haben offenbar auch andere in Versuchung geführt. Am Landgericht Cottbus wird gerade gegen den ehemaligen Chef eines Wasserverbandes verhandelt, der für den Auftrag der Verlegung von Leitungen für den BER die Hand aufgehalten haben soll. Doch dass scheinen bisher die einzigen schwarzen Schafe zu sein. "Wir haben keine weiteren Verfahren im Zusammenhang mit dem BER, nicht mal eine Anzeige", versichert Oberstaatsanwalt Frank Winter aus Neuruppin.

Seit dem Sommer hat der Flughafenbau mit Jörg Marks auch einen neuen Technikchef. Marks kommt von Siemens, dem wichtigsten Auftragnehmer beim Flughafenbau. Das Unternehmen ist seit 2008 für den Bereich Gebäudetechnik am Bau beteiligt.

Die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) hat derweil ihre Anstrengungen im Kampf gegen Korruption ausgeweitet. Die Berliner Rechtsanwältin Elke Schaefer wurde als oberste Antikorruptions-Beauftragte eingestellt. Vorher war sie schon als externe Ombudsfrau in dieser Sache tätig.

Vertreter der Flughafengesellschaft und des nun verurteilten Ex-Technikchefs Jochen Großmann werden sich am kommenden Mittwoch noch mal am Arbeitsgericht Cottbus begegnen. Großmann hat gegen seine fristlose Entlassung geklagt. Sein Arbeitsvertrag war befristet bis sechs Monate nach Inbetriebnahme des Airports. Einen offiziellen Termin dafür gibt es noch immer nicht. Im August wurde darüber spekuliert, es könnte Ende 2016 soweit sein.

Zum Thema:
Ein Strafbefehl wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft in einem Verfahren am zuständigen Amtsgericht erlassen. Es können damit Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr auf Bewährung und Geldstrafen bis zu 360 Tagessätzen verhängt werden.Für einen Strafbefehl muss das Gericht von der Schuld des Angeklagten nicht restlos überzeugt sein. Es reicht, wenn in einer summarischen Betrachtung die Schuld wahrscheinlich ist.Strafbefehlsverfahren sollen bei kleineren Straftaten die Justiz entlasten. Legt der Angeklagte gegen einen Strafbefehl Einspruch ein, kommt es zur Hauptverhandlung.