Es ist weit bis nach Hause. Noch vor ein paar Wochen schwitzte Leon Jungkurth (18) in einem thüringischen Gymnasium in der Nähe von Eisenach über seinen Abiturprüfungen. Jetzt sitzt er, 400 Kilometer von zu Hause entfernt, mit wachem Blick im brandenburgischen Zeuthen und entdeckt die Welt der Wissenschaft. Sein "Arbeitgeber" auf Zeit heißt Desy. Das ist die Abkürzung für Deutsches Elektronen-Synchrotron, eine Forschungseinrichtung der Helmholtz-Gesellschaft. Der Hauptsitz des Spitzenforschungsinstituts ist in Hamburg.

Im brandenburgischen Zeuthen gibt es eine Außenstelle, die selbst auf eine lange Forschungstradition schon aus den Zeiten der DDR zurückblicken kann. Damals war die Einrichtung Teil der Akademie der Wissenschaften. Hier steht ein Elektronen-Beschleuniger und hier werden exzellente wissenschaftliche Geräte gebaut. In Zeuthen geben sich Physiker der Extraklasse aus aller Welt die Klinke in die Hand.

Die Begeisterung für alles Technische scheint Leon Jungkurth in die Wiege gelegt worden zu sein. "Mein Großvater war Schweißer und mein Vater arbeitet als Mechaniker an einer CNC-Maschine. Mit ihm haben wir oft zu Hause gebaut und gebastelt. Das hat mir richtig viel Spaß gemacht" erzählt Leon begeistert.

Dass er dabei jetzt an einem physikalischen Spitzenforschungsinstitut gelandet ist, das ist eher Zufall. "Ich war im Gymnasium nicht mal im Leistungskurs Physik", schmunzelt der junge Mann. Schon heute ist für den Thüringer klar, dass er auf jeden Fall etwas Technisches studieren wird und das am liebsten zuerst an einer deutschen Eliteuniversität. Ein bisschen umgeschaut hat sich Leon schon. Und weil Entfernungen für ihn schon jetzt kein großes Problem mehr zu sein scheinen, hat er die Rheinisch Westfälische Technische Hochschule in Achen ins Auge gefasst.

"Aber zuerst will ich mich jetzt einfach mal orientieren, was es in dem Bereich alles gibt", beschreibt Leon, der gerade erst seinen 18. Geburtstag gefeiert hat, seine Situation. Das ist eine Einstellung, der man inzwischen bei vielen Abiturienten begegnet, wenn sie nach zwölf Schuljahren vor richtungweisenden Entscheidungen für ihr weiteres Leben stehen.

Leon will sich orientieren. Dafür arbeitet er jetzt mit als Assistent in den beiden Schülerlabors des Desy in Zeuthen und stellt komplizierte physikalische Zusammenhänge auf übersichtlichen, wissenschaftlichen Postern dar. Und sogar ein eigenes physikalisches Experiment hat er in Zeuthen schon. Mit einem Versuchsaufbau misst er die Aktivitäten von Astro-Teilchen, die vom Weltraum permanent auf die Erde prasseln. Auf das Frühjahr freut er sich besonders. Dann darf Leon in der Lehrwerkstatt des wissenschaftlichen Gerätebaus mitarbeiten.

Unabhängig von den vielen neuen Eindrücken im Institut, hat Leon Jungkurth in den ersten sechs Wochen in Brandenburg schon eine Menge gelernt. Es ist das erste Mal, dass er so weit weg von zu Hause auch seinen Alltag organisieren muss. Ummeldungen bei den zuständigen Ämtern, sich selbst versorgen, das alles sind Dinge, die er jetzt alleine meistern muss.

Vom Träger des Freiwilligen-Jahres gibt's dafür ein Taschengeld von 340 Euro pro Monat. Aber Leon hatte Glück. Zusammen mit zwei Maschinenbau-Studenten der TH Wildau wohnt er in einer Wohngemeinschaft. "Da kann ich schon mal sehen, was auf mich als Student zukommen wird", lacht Leon.

Zum Thema:
Neben dem Freiwilligen Sozialen Jahr gibt es weitere Angebote für Schulabgänger, die sich orientieren und engagieren wollen. Die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) bieten ein breites Spektrum. Neben dem Freiwilligen Jahr im Bereich Wissenschaft reicht es auch in die Denkmalpflege und die Politik. www.ijgd.de