Der Präsident Nicaraguas, Daniel Ortega, hat nur noch wenig mit dem marxistisch inspirierten Revolutionär von einst gemeinsam. Der Ex-Guerillero, von seinen Anhängern immer noch „Comandante“ genannt, tritt nur noch nachts auf. Und der 65-Jährige redet nur noch mit Journalisten, die ihm genehm sind. Viele Regierungsgeschäfte überlässt er ohnehin seiner Frau Rosario Murillo.

Wenn sich die Trends nach den ersten Teilergebnissen der Präsidentenwahl vom Sonntag bestätigen, steht Ortega nun vor einer neuen Amtszeit. Er selbst nennt sein Regierungsprogramm „sozialistisch, christlich und solidarisch. Der Publizist Carlos Chamorro sieht darin nur leere “revolutionäre Rhetorik„. In Wahrheit betreibe Ortega eine rückwärtsgewandte Politik. „Er ist autoritär im Politischen, für Privatwirtschaft im Ökonomischen und populistisch im Sozialen“, resümiert der Leiter des Wochenmagazins „Confidencial“.

Ortega war schon in den 80er-Jahren Präsident des ärmsten Landes Zentralamerikas gewesen. Seit Ortega vor knapp fünf Jahren an die Macht zurückkam, gehören Schummeleien und die Gängelung der Opposition zu seinem Stil. Er brach die Verfassung, um seine Wiederwahl zu ermöglichen. Laut Verfassung hätte er eigentlich nicht noch einmal zur Wahl antreten dürfen – die nicaraguanische Verfassung erlaubt nur zwei nicht unmittelbar aufeinander folgende Amtszeiten. Ortega war bereits von 1985 bis 1990 ein erstes Mal Präsident. In einem umstrittenen Urteil hatte der Oberste Gerichtshof des Landes diese Regelung jedoch aufgehoben und so den Weg für eine dritte Amtszeit freigemacht.

Aber Ortega führte auch umfangreiche Sozialprogramme ein, finanziert vom Bündnispartner Venezuela. Das verschafft ihm viel Rückhalt bei den Armen. Zugleich hat Ortega die Unterstützung der Unternehmer. Denn anders als Venezuelas linker Präsident Hugo Chávez setzt Ortega inzwischen auf Marktwirtschaft. Damit hat Ortega aus den Fehlern der ersten Regierung gelernt, die 1979 mit dem Sieg der sandinistischen Revolution begann. Als Ortega 1990 die Wahlen verlor, war die Wirtschaft am Boden. Der Ortega von heute baut darum die verrufenen Freihandelszonen aus und hofiert den einst geschmähten IWF.

Die erstaunlichste Kehrtwende vollzog Ortega schließlich gegenüber der katholischen Kirche. Er führte ein völliges Abtreibungsverbot ein, das keine Ausnahmen zulässt. Damit sicherte er sich die Unterstützung seines einst härtesten Gegenspielers, des früheren Erzbischofs von Managua, Miguel Obando. In seiner letzten Messe vor der Wahl warb der Altbischof denn auch um Wähler für den Ex-Marxisten. An Ortega und seine Frau Murillo gewandt sagte er von der Kanzel herab: „Der Herr wird mit Zinseszinsen all das Gute zu vergelten wissen, das Sie für die Nicaraguaner verwirklicht haben.“

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Ex-General gewinnt Stichwahl in GuatemalaDie Bürger Guatemalas haben den Ex-General Otto Pérez zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Bei der Stichwahl um das Amt des Staatsoberhauptes in dem mittelamerikanischen Land kam der 65-Jährige am Sonntag auf 55 Prozent der Stimmen, wie das Wahlgericht mitteilte. Für den Jungunternehmer Manuel Baldizón stimmten 45 Prozent der Wahlberechtigten. Nach der Wahl versprach Pérez erneut, vor allem die in Guatemala grassierende Gewalt bekämpfen zu wollen. Diese hängt vor allem mit der Drogenkriminalität zusammen. Pérez' Patriotische Partei verfügt nur über 54 der 158 Parlamentssitze. Pérez ist ein Ex-General, der am Ende des blutigen Bürgerkrieges (1960-1996) das Friedensabkommen mit aushandelte. Er gilt als konservativer Hardliner. Guatemala ist mit 14,4 Millionen Einwohnern das größte Land in Zentralamerika. Der Staat ist hoch verschuldet und praktisch bankrott. dpa/bl