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| 02:33 Uhr

Vom ersten Erzählsalon und einem neuen Produkt

Lottomittel für ein neues Erzählprojekt in der Lausitz: Wirtschaftsminister Albrecht Gerber und Katrin Rohnstock von Rohnstock Biografien Berlin sehen das Vorhaben als Ergänzung im Prozess des Strukturwandels.
Lottomittel für ein neues Erzählprojekt in der Lausitz: Wirtschaftsminister Albrecht Gerber und Katrin Rohnstock von Rohnstock Biografien Berlin sehen das Vorhaben als Ergänzung im Prozess des Strukturwandels. FOTO: Ch. Taubert
Cottbus. Wie die Jänschwalderin Christina Grätz das Format der Innovationsregion Lausitz einschätzt und welchen Beitrag es für den Strukturwandel leisten kann. Christian Taubert / ta

Wenn Christina Grätz erzählt, dann verstehen alle, worum es geht. Da wird nicht um den heißen Brei herumgeredet. Die Jänschwalderin, Brandenburgs Unternehmerin 2016, war am Montag als Verstärkung mit zur Präsentation einer weiteren Staffel Lausitzer Erzählsalons geladen worden.

Das Format heißt jetzt "Unternehmergespräch - Wie Sie ihre Firma aufbauten und aufbauen". Und die Chefin der Nagola Re GmbH, die sich mit dem Erhalt, der Herstellung und Wiederherstellung artenreicher Lebensräume beschäftigt, schildert ihre Eindrücke vom Test-Erzählsalon mit 16 Unternehmern.

Eigentlich, so Grätz, habe sie viel wichtigere Dinge zu tun gehabt, als sich in Cottbus zwei Stunden Plaudern ans Bein zu binden. "Aber ich hatte zugesagt. Und letztlich musste ich meine Meinung komplett ändern", berichtet sie. Denn neben den spannenden Geschichten der Unternehmer-Kollegen, von denen sie sonst nie erfahren hätte, sei der Blick über ihr regionales Netzwerk hinaus erweitert worden. "Ich habe mit einem Unternehmer ein Forschungsprojekt verabredet. Wir werden ein neues Produkt entwickeln", fasst Christina Grätz die erste Gesprächsrunde für sich zusammen und zeigt sich von dem Format begeistert.

Dem Geschäftsführer der Innovationsregion Lausitz (iRL) Hans Rüdiger Lange geht es ähnlich. Die iRL, die zurzeit mit mehr als 90 Unternehmen der Region den Strukturwandel angeht und nach neuen Geschäftsfeldern sucht, will wertvolle Erfahrungen von Unternehmern nutzen - aber sie müssen erst einmal bekannt werden, um sie übertragen oder neue Handlungsstränge davon ableiten zu können. "Wir bringen die Menschen zusammen und bieten mit dem Lausitz-Lab den Ort für einen vielfältigen Austausch", betont Lange.

Jetzt werde die iRL zusätzlich auf die Kompetenz der Experten von Rohnstock Biografien Berlin zugreifen, um in einem Buch Erfahrungen in Geschichten zu vermitteln und für die Zukunft in der Lausitz zu nutzen. Der Kooperationspartner Rohnstock hat sich auf das Sammeln und Verfassen von Geschichten spezialisiert und ist seit 16 Jahren mit dem Format erfolgreich (siehe Infobox). Damit setzt Brandenburg auf eine der ältesten Innovationen überhaupt: das Erzählen von Geschichten.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) hat 70 000 Euro aus Lottomitteln bereitgestellt, weil nach seiner Überzeugung "die Erzählsalons neue Beziehungen und Gemeinschaften stiften, die auch zu neuen Kooperationen führen". Das sei ein guter Beitrag zu einer Zukunftsstrategie für die Lausitz von morgen. Unerlässlich sei es dabei, dass Innovationen auf den Weg gebracht werden. "Die Region muss sich breiter ausrichten", sagt Gerber.

Der Minister verweist zugleich auf die Kommission für Strukturwandel und Regionalentwicklung beim Bund. Hier werde auch die Lausitz ab 2018 sagen müssen, wo sie im Prozess der Strukturentwicklung steht und wohin sie will. Für das Land stehe fest, dass die Kohle Partner auf dem Weg in die Zukunft der Lausitz bleibt.

Der Wandel der Industrielandschaft Lausitz schreitet voran. Für die hier lebenden Menschen bedeutet er Herausforderung und Chance zugleich. Veränderungen brauchen Ideen, Mut und Tatkraft - allesamt Potenziale, die durch das Teilen von Erfahrungen zutage gefördert und nutzbar gemacht werden können.

Am 14. September ist das Thema Unternehmensnachfolge in der Erzählrunde. Vor dem Hintergrund von 6500 Unternehmen, die in den nächsten Jahren im Cottbuser IHK-Bezirk einen Nachfolger suchen, sind Erfahrungen mehr als gefragt.

Zum Thema:
In den Jahren 2015/16 hat es in der Lausitz, die sich nach der Kohle zum Seenland entwickelt, 32 Erzählsalons gegeben. Sie waren von Rohnstock Biografien in Großräschen, Geierswalde, Lauchhammer, Plessa und Brieske (Marga) organisiert, aufgezeichnet und in Episoden verarbeitet worden. Genau 228 Lausitzer sind nach zögerlichem Beginn zu den Treffs gekommen. Für die Projektverantwortliche Katrin Rohnstock ist daraus eine eindrucksvolle "Anthologie von Lebenserinnerungen und Zukunftswünschen" geworden. (ta)