Auftritten liegt. Prosper war für das Außenministerium seines Landes vor allem hinter den Kulissen aktiv. Als Sonderbotschafter für Kriegsverbrechen bereiste er die Krisengebiete der Welt und beriet die Ressortchefs Colin Powell und Condoleezza Rice. Stilles Verhandlungsgeschick war Voraussetzung für seine heikelste Mission, die Rückführung ausländischer Häftlinge aus dem Lager Guantánamo.
Möglicherweise hat Prosper dabei so sehr im Hintergrund gewirkt, dass ihn die deutsche Bundesregierung schlichtweg übersehen hat. In seiner Amtszeit als Guantánamo-Beauftragter von 2002 bis 2005 habe Berlin jedenfalls ihm gegenüber "niemals ein Interesse" an der Freilassung des Bremer Lagerhäftlings Murat Kurnaz bekundet, sagte er dem ARD-Magazin "Monitor". Damit belastete er Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), demzufolge sich die damalige Bundesregierung in den USA für Kurnaz einsetzte. Im Untersuchungsausschuss in Berlin wird gemutmaßt, dass der US-Diplomat möglicherweise in den Fall nicht eingebunden wurde, weil die Bundesregierung deutlich gemacht hatte, dass sie den aus Bremen stammenden Türken keinesfalls in Deutschland aufnehmen wolle.
Als Guantánamo-Beauftragter handelte Prosper unter anderem mit Spanien, Schweden und Saudi-Arabien die Rücknahme von Häftlingen aus. Sein Dienstherr, das US-Außenministerium, hatte ein starkes Interesse daran, möglichst viele Guantánamo-Insassen in die Obhut ihrer Heimatstaaten zu überstellen. Allerdings musste das US-Verteidigungsministerium den Freilassungen zustimmen, wobei es sich häufig als Bremse betätigte.
Die CDU will Prosper nun zur Aussage vor den Untersuchungsausschuss zum Anti-Terror-Kampf zitieren. "Ich muss ihm in die Augen schauen", sagte der Ausschussvorsitzende Siegfried Kauder (CDU). Zu Gesicht bekäme Kauder dabei einen Juristen, der beispielhaft für die US-Menschenrechtspolitik in Zeiten des "Kriegs gegen den Terror" steht. Als Guantánamo-Beauftragter vertrat er ein juristisches Vorgehen, das Kritikern als unverzeihlicher Bruch mit völkerrechtlichen Standards gilt.
Dabei hatte sich Prosper als Ankläger beim internationalen Ruanda-Tribunal einen tadellosen Ruf als Vorkämpfer gegen Kriegsgräuel erworben. In den 1990er-Jahren brachte er dort den ersten Genozid-Fall seit Verabschiedung der Völkermord-Konvention 1948 zur Anklage. Der ruandische Lehrer Jean-Paul Akayesu wurde schließlich wegen Völkermords zu lebenslänglich verurteilt.
Den international umstrittenen "Krieg gegen den Terror" der US-Regierung sowie die Internierungen von Guantánamo verteidigte der Sohn haitianischer Einwanderer indes als Notwendigkeit in einer historischen Ausnahmesituation nach den Anschlägen vom 11. September 2001. "Wir müssen von jener Art des Denkens abrücken, die wir vor den Anschlägen hatten, und anerkennen, dass wir uns in einem unkonventionellen Krieg befinden", sagte er 2004 in einer Vorlesung. "Wir befinden uns in einer geschichtlichen Phase, in der wir vieles zum ersten Mal machen. Die Zeit wird ihr Urteil darüber fällen."
Zum Sonderbotschafter brachte es Prosper nicht nur wegen seiner Erfahrung auf dem internationalen Parkett. Auch in den USA selbst hatte er sich einen Ruf als erfolgreicher Ankläger erworben. Eine der ersten Stationen seiner Laufbahn war die Sondereinheit für Bandenkriminalität bei der Staatsanwaltschaft in Los Angeles. Seit Januar arbeitet er für die international tätige Anwaltskanzlei Arent Fox.