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Vom Cottbuser Polit-Zuchthaus zum Gedenkort

Polit-Gefängnis in zwei Diktaturen: Das Cottbuser Zuchthaus. Im August soll der Umbau zu einer Gedenk-, Begegnungs- und Bildungsstätte beginnen. Foto: Mario Behnke
Polit-Gefängnis in zwei Diktaturen: Das Cottbuser Zuchthaus. Im August soll der Umbau zu einer Gedenk-, Begegnungs- und Bildungsstätte beginnen. Foto: Mario Behnke FOTO: Mario Behnke
Cottbus. Nach vier Jahren Vorbereitung kann das Menschenrechtszentrum in Cottbus jetzt errichtet werden. Durch Freigabe einer Bundesförderung ist die Gesamtfinanzierung von 2,3 Millionen Euro gesichert. Von Simone Wendler

"Heute ist für uns der schönste Tag seit langer Zeit", freut sich Sylvia Wähling. Ein Anruf von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hat für die gute Laune der geschäftsführenden Vorsitzenden des Vereins Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. gesorgt. Neumann habe mitgeteilt, dass die Bundesförderung nun bewilligt sei. Bund und Land Brandenburg teilen sich mit je einer Million Euro den Kern der Finanzierung des Vorhabens.

Ein Teil der Summe werde für den Kauf der Immobilie benötigt, so Wähling. Möglichst bald soll nun der Bauantrag für die Sanierung der Gebäude gestellt werden. Vorplanungen lägen schon vor. "Am ersten August muss Start der Bauarbeiten sein, damit wir bis Jahresende fertig werden."

Der Verein Menschenrechtszentrum mit derzeit 87 Mitgliedern besteht überwiegend aus ehemaligen politischen Häftlingen der DDR, die in Cottbus einsaßen. 20 000 waren in Cottbus inhaftiert, oft wegen versuchter "Republikflucht". In dem Zuchthaus hatten schon die Nazis Frauen, auch oft aus politischen Gründen, eingekerkert. Diese Geschichte als Haftanstalt in zwei Diktaturen soll später eine Ausstellung des Menschenrechtszentrums darstellen.

Von den politischen Häftlingen zu DDR-Zeiten wurden sehr viele von der Bundesrepublik freigekauft. "Wir suchen deshalb noch immer Zeitzeugen, die heute in Westdeutschland leben", sagt Sylvia Wähling. Jetzt, wo der Umbau der Haftanstalt zur Gedenkstätte ernsthaft angepackt werden kann, hofft der Verein auf weitere Unterstützer aus den Reihen ehemaliger Häftlinge.

An der Freien Universität Berlin laufen wissenschaftliche Forschungen zur Geschichte der Cottbuser Haftanstalt in der NS-Zeit und in der DDR. Die Ergebnisse sollen in die Gestaltung der Ausstellung einfließen.