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Vom Computer-Dino bis zum Smartphone

Museumsleiterin Andrea Prittmann kann die Eröffnung kaum erwarten. Die "Handywand" spiegelt das neue Jahrtausend wider.
Museumsleiterin Andrea Prittmann kann die Eröffnung kaum erwarten. Die "Handywand" spiegelt das neue Jahrtausend wider. FOTO: Anja Hummel
Hoyerswerda. Ein Leben ohne Smartphone oder Laptop? Heute unvorstellbar. Den technischen Meilenstein dafür legte vor 75 Jahren der Ingenieur Konrad Zuse. Das gleichnamige Museum in Hoyerswerda entführt Besucher ab Samstag in die spannende Welt des Computers. Anja Hummel

Direkt hinter der gläsernen Eingangstür wartet das erste "Monster". Massiv wie Großmutters Wandschrank. Schwer wie 500 Laptops. Der grau-grüne Metallkasten mit wenigen Schaltknöpfen an der Frontseite war vor 60 Jahren revolutionär - als einer der ersten in Serie produzierten Computer. Damals entwickelt unter Konrad Zuse, steht heute ein Exemplar der "Z22" im neu gestalteten Zuse-Computer-Museum in Hoyerswerda. Hier warten ab Samstag nicht nur wahre Rechner-Giganten auf die Besucher.

"Bei uns trifft Technik auf Kunst, Kultur und Alltag", sagt Museumsleiterin Andrea Prittmann. Das ginge nun mal nicht nur mit "alten Schinken". Auf den 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche trifft Alt auf Modern, Vergangenheit auf Zukunft. "Wenn sich der Vater für den ehemaligen Robotron interessiert, mag die Mutter vielleicht lieber unsere Kunstecke und das Kind die Smartphone-Abteilung", beschreibt Andrea Prittmann die im Museum aufgebaute digitale Zeitreise.

Kein "verstaubtes" Museum

Seit 2013 betreut die studierte Museologin die "Neuansiedlung" des Computer-Museums. Während es am alten Standort der Stadt für Besucher nur schwer zu finden war, fiel vor vier Jahren die Entscheidung für den Umzug. Allein in den Umbau des neuen Standortes in der Hoyerswerdaer Neustadt wurden mehr als drei Millionen Euro investiert.

Als "innovativ und neu" beschreibt Andrea Prittmann das Museumskonzept. Mit farbigem Leitsystem sind Themenbereiche wie Entwicklungsgeschichte oder Kreativraum miteinander verbunden. "Der Aufbau ist nicht sehr chronologisch, denn wir wollen den Besucher in der Lebenswelt abholen", sagt die 29- Jährige. Dabei spiele vor allem Interaktivität eine wichtige Rolle. So kann mit Körpereinsatz durch Drehen an einer Taktkurbel erfühlt werden, wie schnell oder langsam die früheren Rechner arbeiteten. Auch beim ersten Zuse-Drucker, der "Z64", wird es interaktiv: Mit Bausteinen können Besucher selber einen Zeichenvorgang nachstellen.

Der Tagebau als Inspiration

Bei der Frage nach dem Alleinstellungsmerkmal muss Andrea Prittmann nicht lange überlegen: "Die wenigsten Museen haben so viel DDR-Rechentechnik wie wir." Protagonist dieser digitalen Zeitreise ist Konrad Zuse. Was den Erfinder des ersten programmierbaren Computers im Jahr 1941 mit Hoyerswerda verbindet? Er hat von 1923 bis 1927 sein Abitur in der Stadt gemacht und hier "eine erste Vorstellung von einem automatisierten, technischen Zeitalter" bekommen, wie Zuse zu Lebzeiten selbst sagte. Grund dafür waren die "modern eingerichteten Braunkohlegruben mit den großen Abraumförderbrücken".

Persönlich kennenlernen konnte Andrea Prittmann den Erfindergeist Zuse nicht mehr. "Ich habe aber gehört, dass er ein unheimlicher Schelm war." Man sagt ihm nach, er hätte jeden um den Finger wickeln können. So gewann er für seine vielen Projekte stets die Unterstützung von Familie und Freunden.

Weil Zuse aber nicht nur Erfinder, sondern auch Künstler war, stellt das Museum neben originalen Zuse-Rechnern auch Kunstwerke aus. Und im sogenannten Off-Raum prangt ein überdimensionales, noch farbloses Pixelbild der Stadt Hoyerswerda von der Wand. Mit 25 000 bunten Klebepunkten können die Besucher selber kreativ werden und mitgestalten. "Und gleichzeitig etwas von sich hierlassen", ergänzt Prittmann.

Vor der Eröffnung am kommenden Samstag stehen nun noch die letzten Arbeiten an. Die Vitrinen werden poliert, die Beleuchtung eingestellt und die letzten Objektbeschriftungen angeklebt. Das ist beim "Giganten-Zähmer" längst geschehen. Unweit von Zuses erstem Drucker-Modell, dem "Z64", schlummert dieser Computer-Koloss. Einst lenkte der Robotron die Arbeit einer 60-Meter-Abraumförderbrücke im Tagebau Nochten. Jetzt ruht er als ein Stück Zeitgeschichte friedlich im Zuse-Museum.

Dort, wo ausnahmesweise mal nicht die neuesten Smartphones, sondern die alten Computer-Dinos für das größte Aufsehen sorgen dürften.

Zum Thema:
Am Samstag, 28. Januar, öffnet das neu eingerichtete Zuse-Computer-Museum zur kostenlosen Besichtigung seine Türen in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße 1 in Hoyerswerda. Von 10 bis 17 Uhr erwarten die Besucher folgende Programmhöhepunkte: 10 Uhr: Feierliche Eröffnung des Museums.12 bis 16 Uhr: Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig stellt die Roboter-Fußballmannschaft vor. 12.30, 15 und 16.30 Uhr: Es finden jeweils Kuratorenführungen statt.13 und 15.30 Uhr: Was kann das BIT-Labor? Diese Frage wird mittels verschiedener Vorführungen beantwortet. 14 und 16 Uhr: Das Studio für Elektronische Musik präsentiert ein akusmatisches Konzert. Zu hören sind ausgewählte Studioproduktionen und Werke der zeitgenössischen Elektronischen Musik, mit einer mehrkanaligen Livebeschallung und eingeflochtenen wissenschaftlichen Anekdoten. Das Publikum kann die interaktiven Systeme zwischen den Konzerten auch selbst spielerisch ausprobieren. 14.30 Uhr: Hannelore Zuse berichtet in ihrem Vortrag "Mein Vater, der Künstler" über Konrad Zuse und seine kreative Seite. Regulär hat das Zuse-Computer-Museum dienstags bis sonntags sowie feiertags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.