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| 01:24 Uhr

Vom Bierbrauer zum Diözesan-Administrator

Diözesan-Administrator Zomack Foto: las1
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Görlitz. „Ich kann alles machen, was ein Bischof macht, aber ich darf nichts machen, was nur ein Bischof machen darf.“ Hubertus Zomack lächelt verschmitzt, als er die Aufgaben eines DiözesanAdministrators beschreibt. Von Benjamin Lassiwe

Zum zweiten Mal musste der 69-jährige Theologe im Oktober dieses Amt im kleinen Lausitzbistum Görlitz übernehmen.

Seit Bischof Konrad Zdarsa von Papst Benedikt XVI. nach Augsburg versetzt wurde, ist der Bischofssitz vakant. Nun ist es Zomacks Aufgabe, bis zur Berufung eines Nachfolgers das Bistum zu leiten. Nur wenn im kommenden Jahr zwei Diakonenweihen anstehen, kann Zomack nicht helfen. “Dann muss ich mich darum kümmern, dass ein Bischof kommt und diese Aufgaben übernimmt.„ Einstweilen aber hoffe er darauf, “dass uns Papst Benedikt bald einen guten neuen Bischof schenkt„, sagt Zomack. So, wie er es auch schon vor drei Jahren sagte, als der damalige Görlitzer Bischof Rudolf Müller in Pension ging, und Zomack das Bistum bis zu Zdarsas Amtsantritt verwaltete. “Damals hat es auf den Tag genau ein Jahr gedauert - vielleicht geht es ja diesmal sogar schneller.„

Wenn Hubertus Zomack redet, hört man ihm die Herkunft aus Wittichenau (Landkreis Bautzen) an. Aus einer katholischen Familie stammend, lernte er als Jugendlicher den Beruf des Bierbrauers. Die Erfahrungen mit dem real existierenden Sozialismus und der Druck, den die junge DDR auf die Gläubigen ausübte, brachten ihn zum Theologiestudium. “Für mich war das ein Stück Protest gegen das System„, erinnert sich Zomack. “Ich wollte nicht immer nur alles mitmachen, und habe deswegen 1959 mit der Abiturausbildung und diesem Studium begonnen.„ Dann kam der 13. August 1961: Hubertus Zomack befand sich am Tag des Mauerbaus in Bayern, war zu Besuch bei einem Freund. Er sah das Unvorstellbare - und überlegte, ob er überhaupt in die DDR zurückkehren sollte. “Wenn Du Priester werden willst, fahr zurück, ansonsten bleib mal besser hier„, sagte der Freund. Zomack fuhr zurück. Doch die Zweifel blieben. “Als ich mein Diplom machte, bin ich einer Frau begegnet, mit der auch ein anderer Lebensweg vorstellbar gewesen wäre.„

Die Wende kam wieder durch die Politik: 1968 marschierten die Russen in der Tschechoslowakei ein. Der junge Theologe erlebte das in Prag. Die Panzer auf den Straßen der Moldaumetropole wurden zum prägenden Erlebnis: Zomack wurde Priester.

In der DDR galt der Wittichenauer als ein 68-er. Lange, lockige Haare trug der Priester als Kaplan in einer kleinen Landgemeinde in der Mark Brandenburg. Schuld daran war ein Mitglied des Pfarrgemeinderates. Er hatte gegen Jugendliche gewettert: Die “Langhaarigen„ seien doch “alles Verbrecher„, erinnert sich Zomack. “Also ließ ich mir meine Haare bis zur Schulter stehen.„

Eine Episode, die für den Theologen typisch ist. Denn ihm kommt es vor allem auf Glaubwürdigkeit an: “Wenn eine Gemeinde ansteckend ist, wenn der Pfarrer ein offenes Herz und eine offene Tür hat, und wenn wir alle leben, was wir verkündigen - dann mache ich mir auch heute um die katholische Kirche keine Sorgen„, sagt Zomack. Immerhin: Im Missbrauchsskandal sei das kleine Bistum Görlitz bis heute die einzige Diözese, in der es keinen einzigen Fall gegeben habe. “Möglich, dass das daran liegt, dass wir so klein sind„, sagt Zomack. “Aber wir leben nicht auf der Insel der Seligen: Auch bei uns hat es schon Priester gegeben, die geheiratet haben„, sagt Zomack. Letztlich sei es wohl nur “eine große Gnade Gottes, dass uns der Skandal erspart geblieben ist.„ las1

Zum Thema:

Die Wahl des neuen Görlitzer Bischofs regelt das Preußenkonkordat, ein 1929 zwischen dem Vatikan und dem damaligen Land Preußen abgeschlossener Staatsvertrag. Demnach können alle Diözesanbischöfe im Gebiet des ehemaligen Preußen Vorschläge für die Wahl nach Rom einreichen. Daraus stellt der Vatikan eine “Terna„ genannte Dreierliste zusammen, aus der dann das Görlitzer Domkapitel einen Kandidaten wählt. Anschließend muss die sächsische Staatsregierung erklären, dass aus ihrer Sicht nichts gegen den gewählten Kandidaten spricht, bevor der Papst schließlich einen neuen Görlitzer Bischof ernennen kann. Brandenburg hingegen hat auf das Recht der Zustimmung im Rahmen des vor einigen Jahren abgeschlossenen Staatskirchenvertrages verzichtet. las1