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Vom Bett gleich auf die Piste

Fly-up-Geschäftsführer Werner Reimann treibt die Entstehung des Fliegerdorfs seit gut 20 Jahren voran. Dennoch bedarf es einiger Fantasie, um sich das fertige Projekt vorzustellen.
Fly-up-Geschäftsführer Werner Reimann treibt die Entstehung des Fliegerdorfs seit gut 20 Jahren voran. Dennoch bedarf es einiger Fantasie, um sich das fertige Projekt vorzustellen. FOTO: Dietrich von Schell
Friedersdorf. Im Norden von Dahme-Spreewald soll ein Fliegerdorf entstehen – jedes Haus wird dort über einen eigenen Flugzeughangar verfügen. Schell

Kaum vorstellbar: Aber die paar Sandhügel an der Straße zwischen Friedersdorf und Wolzig (Gemeinde Heidesee) künden von einem Projekt, das in Europa einmalig ist. Hier vor den Toren Berlins, 30 Kilometer südöstlich, auf dem Flugplatz Friedersdorf, soll ein Fliegerdorf mit 27 Wohnhäusern entstehen. Der Clou dabei: Jedes verfügt über einen eigenen Hangar. Unten kann man statt dem Auto seine Cessna parken. Oben drüber befindet sich eine 280-Quadratmeter-Wohnung.

Werner Reimann, Geschäftsführer des Unternehmens Fly-up GmbH, hat das Projekt maßgeblich vorangetrieben. Er steht neben dem blauen Containerhaus, das als Büro der Gesellschaft dient, und blickt über das 60 Hektar große Feld, den Flugplatz, den es schon seit 1935 gibt. "Die Häuser fallen so groß aus, weil die Flugzeuge die Größe vorgeben", erklärt er. Der Flugplatz wird eine Zulassung für Maschinen bis zu 24 Meter Spannweite erhalten. Allein die Höhe des Hangars beträgt 4,75 Meter.

Seit zwei Monaten liegt nun die Baugenehmigung für das erste Haus vor. Start- und Landebahn sowie Tower sind noch im Verfahren und sollen bald abgeschlossen sein. Für August ist der erste Spatenstich geplant. Die Sandhügel markieren die Stelle für die Zufahrtswege.

"Wenn das Haus fertig ist, wird es ein Selbstläufer", ist sich Reimann sicher. "In ganz Europa ist solch ein Fliegerdorf noch nie genehmigt worden, die Häuser mit Hangar sind so exklusiv, dass sie schnell weggehen werden." Als Käufer kommen vermögende Interessenten aus dem arabischen Raum oder Osteuropa, von Polen bis Russland in Frage. "Es gibt auch eine Reihe konkreter Anfragen von großen Konzernen wie VW und Gasprom. Reimann plant zudem ein Luxushotel für Hobbypiloten, die bei Berlin Urlaub machen oder auch nur einen Zwischenstopp einlegen wollen. "Wir wollen einen ruhigen Privatflugplatz realisieren, mit höchstens 50 Starts und Landungen pro Tag."

Seit mehr als 20 Jahren kämpft die Fly-up GmbH dafür, dass das Fliegerdorf, die sogenannte Fly-in-Community, Realität wird. Reimann hat alles von Anfang an miterlebt. Als erster Investor brachte Henry Brauner, der Sohn des Filmproduzenten Artur Brauner, die Idee der Fly-in Häuser für den Flugplatz in Friedersdorf aus den USA mit. Der neue Investor kommt nun aus Turkmenistan.

"Es ist fast unmöglich, auf einem Flugplatz Häuser zu errichten, da die Luftfahrtbehörde in Deutschland das nicht gestattet", erzählt Reimann. Andererseits dürfen Flugzeuge außerhalb von Flugplätzen nicht aus eigener Kraft starten. Also musste ein Flächennutzungsplan her, bei dem die Fläche für die Häuser aus dem Flugplatz herausgerechnet wurde, aber beides nebeneinander liegt, sodass die Flieger ohne Probleme auf die Piste gelangen. "Das haben wir 1999 durchbekommen", sagt Reimann.

Ursprünglich sollte der Bau schon 2002 losgehen. Doch die Flugrouten des nahe gelegenen BER waren zu jener Zeit noch nicht bekannt. Also wartete die Luftfahrtbehörde ab und gab vorerst keine Genehmigung für eine Start- und Landebahn.

"Aber ohne Piste lassen sich keine Häuser verkaufen." Also lag das Projekt auf Eis. Zwischendurch sollte es ganz begraben werden, ein Solarfeld war im Gespräch. Doch da rebellierten die Friedersdorfer Bürger. "Sie wollten ihren Flugplatz behalten, denn auf dem 1935 angelegten Flugfeld sind Segelflieger beheimatet: der Segelflugverein Luftsportclub Interflug Berlin. Und auch die Segelflieger dürfen den Platz weiterhin nutzen.