Der polnische Häftling ist erstaunt. Dass der Bedienstete ihn auf Polnisch verstehen könnte, hat er nicht ernsthaft erwartet. "Auf die Frage des Häftlings nach der Uhrzeit hat der Bedienstete auf Polnisch geantwortet", freut sich Grazyna Warszawski. Seit Oktober bringt sie zehn Mitarbeitern des Gefängnisses Polnisch bei. "So soll es sein, Sprechen, Sprechen, Sprechen." Eine Sprache müsse angewandt werden.
Einmal wöchentlich drücken die Bediensteten zwischen ihren Schichten die Schulbank. Der Kurs wird vom Justizministerium des Landes Brandenburg finanziert. "Die Nachfrage war groß, wir haben die Teilnehmer ausgewählt", berichtet Anstaltsleiter Wilfried Stehr. Zunächst seien die Mitarbeiter berücksichtigt worden, die in täglichem Kontakt mit polnischen Insassen stehen. In der JVA verbüßen rund 150 Männer Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr oder sitzen in U-Haft. Mit etwa 40 Prozent ist der Ausländeranteil besonders hoch, die meisten von ihnen stammen wegen der Grenznähe aus Polen.

Vokabeln statt Begriffe
Grazyna Warszawski ist seit vielen Jahren in der Frankfurter Haftanstalt ehrenamtlich als Sprachmittlerin tätig. Über den Verband der Polen kümmerte sie sich anfangs um polnische Gefangene, gab ihnen Deutsch-Unterricht, übersetzte die Gefängniszeitung, half mit ihren Sprachkenntnissen angespannte Situationen zu lockern. "Ich mache meine Arbeit gern", sagt die Frau, die seit mehr als 30 Jahren in der Oderstadt lebt.
Im Umgang mit nicht Deutsch sprechenden Gefangenen halfen sich Bedienstete bisher mit einer Art Themenkatalog. Darin stehen Begriffe, werden Situationen, die auf den Vollzug zugeschnitten sind, beschrieben, sagt Stehr. Die Beamten werden von Sprachmittlern und vereidigten Dolmetschern in bestimmten Situationen unterstützt. Auch eine polnische Psychologin ist in der JVA tätig. Ein Pfarrer aus der polnischen Nachbarstadt Slubice betreut die Insassen.

Mit Namen begonnen
"Wir haben mit der Aussprache von Namen begonnen", erinnert sich Warszawski an die erste Lektion. Wichtig sei, dass die Gefangenen auch verstehen, dass sie gemeint sind. Sie zeigt eine Liste polnischer Namen mit vielen Zischlauten, die für einen Unkundigen schwer zu sprechen sind. Themen seien auch die Begrüßung, das Essen, die Aufnahme von Personalien gewesen. "Alles, was im täglichen Umgang mit den Gefangenen gebraucht wird." Die Begriffe "Bitte" und "Danke" nennt sie Zauberworte, "mit denen die Spannung genommen wird."
Uhrzeiten, Zahlen, Mengen, Wochentage, Personenbeschreibungen übten die Kursteilnehmer ein. Die Lehrerin informierte auch über kulturelle Besonderheiten im Nachbarland. "So ist der Heilige Abend bei uns ein ganz besonderer Tag und für denjenigen, der nicht mit seiner Familie am Tisch sitzen kann, eine Tragödie." Dass sollten die Bediensteten wissen, um die Gefühle und Stimmungen von Gefangenen einordnen zu können, erläutert Grazyna Warszawski.
Noch vor Weihnachten geht der Kurs zu Ende. Stehr will sich beim Ministerium um eine Fortsetzung bemühen. "Auch die Bediensteten haben mich gefragt, ob wir weitermachen können", ergänzt Warszawski. Sie seien interessiert, lernten und übten. "Das Engagement ist groß."