Als Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Forst (Spree-Neiße) hatte Egon Rattei Glück mit dem Bergbau. Der Tagebau Jänschwalde nahm dem Betrieb rund eintausend Hektar Fläche weg, doch das geschah gleich nach dem Ende der DDR, als die ehemaligen LPG im Osten ohnehin in der Umstrukturierung waren. "Das haben wir schon gespürt und uns angepasst", sagt Rattei.

Von den 2200 Hektar, die die Agrargenossenschaft heute mit Pflanzenproduktion, Milchwirtschaft und Rindermast bewirtschaftet, sind 190 Hektar Kippenfläche. Seit 2000 haben sich die Forster Bauern mit Betrieben in Heinersbrück und Groß Gastrose zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um solche Flächen zu bearbeiten.

"Früher gab es hier nur Kühe melken und Trecker fahren", sagt Rattei, der gerade in den Ruhestand gegangen ist. Jetzt seien die Bauern auch in der Rekultivierung und bei Pflegearbeiten im Auftrag von Vattenfall tätig. Dadurch habe man rechtzeitig "einen Fuß in der Tür", um die wieder entstehenden knappen Ackerflächen später pachten zu können.

Eine rigorose Ablehnung des Bergbaus, wie ihn der gegenüber dem Bauernbund deutlich kleinere Bauernverband betreibt, hat Rattei nie für sinnvoll gehalten. "Wir brauchen aber einen vollen Ausgleich aller Belastungen durch den Bergbau und die Chance zur Umstrukturierung", macht er deutlich.

Nur wenn man am Verhandlungstisch sitzt, könne man Einfluss nehmen, "damit die Dörfer nicht hinten rüber kippen." Das Bergbauunternehmen habe dabei in den vergangenen Jahren auch dazugelernt. "Die sind verständnisvoller geworden und beziehen uns als Bauern rechtzeitig in Entscheidungen mit ein."

Die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen bei der Bewirtschaftung von Kippenböden sei hochinteressant. Durch viele Maßnahmen sei es inzwischen auch möglich Ackerflächen wieder herzustellen, die akzeptable Erträge liefern.

Die Entwicklung im Welzower Ortsteil Proschim, wo sich die Landwirte Terpe Proschim GmbH dem Gespräch mit Vattenfall über eine mögliche Umsiedlung verweigert (siehe oben), sieht Rattei mit Sorge.

Die Inhaber-Familie Rösch habe dort ein vorbildliches Unternehmen aufgebaut und auch die Dorfentwicklung vorangebracht. Jetzt nicht mit Vattenfall zu reden, hält Rattei für sehr riskant und einen großen Fehler. "Da verstreicht viel wertvolle Zeit und man ist aus den Entscheidungen raus", warnt er.

Rattei sagt, er habe versucht, zwischen den Eigentümern der Landwirte Terpe Proschim GmbH und Vattenfall zu vermitteln. Vergeblich. Inzwischen sei die Familie Rösch auch aus dem Bauernverband ausgetreten.