Rund um Weißwasser ist das Netz der ärztlichen Versorgung besonders dünn. Das ergab ein Gutachten des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung im Auftrag des Dresdner Gesundheitsministeriums. Fachübergreifend sind die Ärzte der Oberlausitzer Stadt demnach zu 120 Prozent ausgelastet. Zusammen mit der Erzgebirgsstadt Marienberg liegt Weißwasser demnach an der Spitze von 47 Bezirken, für die die Experten Zahlen erhoben haben.

Gedränge gibt es in Weißwasser hauptsächlich bei den Hausärzten, die zu 119 Prozent ausgelastet sind. Das ist der Ist-Zustand, im Fokus des Gutachtens steht indes der Ärztebedarf bis zum Jahr 2030. Es geht insbesondere um den ambulanten Versorgungsbedarf. Doch auch bei bestimmten Arztgruppen wird bereits heute das landesweite Netz löchrig: Laut der Studie fehlen Anästhesisten in Kamenz und Augenärzte in Niesky. Urologen werden gebraucht in Löbau, Werdau und ebenfalls Niesky. Experten werden demnächst ermitteln, in welchen Regionen die Versorgung besonders schwierig wird. Für diese Regionen will das Dresdner Gesundheitsministerium zusammen mit Kommunen und Ärzteverbänden in den nächsten Monaten Strategien entwickeln, kündigte Ministerin Barbara Klepsch (CDU) gestern in Dresden an.

Auf lange Sicht setzt Klepsch auf ein "konstruktives Miteinander von Staatsregierung, Kommunen und Selbstverwaltung", um die Versorgungsstrukturen zu gestalten. Dazu traf sich die Ministerin gestern zum gesundheitspolitischen Spitzengespräch mit den Krankenkassen, der Krankenhausgesellschaft und der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Man will beraten, wie die medizinische Versorgung im ländlichen Raum dauerhaft sichergestellt werden soll. Und als Voraussetzung dafür: Wie der ärztliche Nachwuchs für das platte Land begeistert werden kann.

Dass das schwierig wird, sieht auch der Koalitionspartner SPD: "Wir werden in einigen Regionen Sachsens Probleme mit zu wenigen Ärzten bekommen", sagt die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Neukirch. Sie sieht als Ursache neben der älter werdenden Gesellschaft auch die Wanderung vom Land in die Stadt. Es brauche "kluge Konzepte", um künftig jedem Sachsen den passenden Arzt zu vermitteln.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Oliver Wehner, brachte gestern Weiterbildungsverbünde zur Sprache. Damit sollen junge Mediziner die Arbeit im ländlichen Raum kennenlernen. Auch kündigte Wehner an, Stipendien für Hausärzte weiterhin zu finanzieren. Der Freistaat fördert seit 2015 Studienanfänger, die nach ihrer Facharztausbildung aufs Land gehen, mit 1000 Euro monatlich. Erfahrene Hausärzte bilden die Stipendiaten 24 Tage pro Förderjahr in ihren Patenpraxen aus.

Die medizinische Versorgung zu sichern, wird in den kommenden Jahren "eine der wichtigsten Aufgaben für Sachsen" sein, sagte der CDU-Abgeordnete Alexander Krauß.