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| 01:29 Uhr

Volkssolidarität: 40 Prozent der Ostdeutschen ausländerfeindlich

Berlin. Mehr als ein Drittel aller Ostdeutschen ist der Volkssolidarität zufolge ausländerfeindlich. 40 Prozent der Befragten in den neuen Bundesländern seien negativ gegenüber Ausländern eingestellt, obgleich nur zwei Prozent der Bevölkerung Ausländer sind, sagte der Präsident der Volkssolidarität Gunnar Winkler am Montag bei der Vorstellung der Umfrage „Die Sicht der Ostdeutschen auf 20 Jahre friedliche Revolution“. epd/roe

I m Auftrag der Volkssolidarität hatte hierzu das Sozialwissenschaftliche Forschungszentrum Berlin-Brandenburg rund 1900 Ostdeutsche befragt. Als mögliche Ursache der Fremdenfeindlichkeit nannte Winkler, dass die Menschen in der DDR "das Zusammenleben mit Ausländern nicht gekannt" und daher fremdenfeindliche Klischees übernommen hätten. Gleichzeitig habe für 67 Prozent der Befragten die Demokratie einen hohen oder gar sehr hohen Stellenwert, sagte Winkler. Zufrieden mit der Demokratie sind der Studie zufolge jedoch nur elf Prozent, mit dem politischen Einfluss sind sieben Prozent zufrieden. Auch wenn Volksentscheide sowie Abstimmungen der Bürger im Osten "eher stiefmütterlich" behandelt würden, gingen 57 Prozent davon aus, dass mit Volksentscheiden viel bewegt werden könne. "Sternstunde" MauerfallDer Glaube an die Aussage von Politikern sei 20 Jahre nach der friedlichen Revolution weitgehend verloren gegangen, sagte Winkler weiter. Der Herbst 1989 sei eine "Sternstunde" der Demokratie mit hoher Mitwirkung gewesen. Inzwischen gewinne jedoch der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit der Demokratie ein zunehmendes Gewicht. Die Mehrheit der Ostdeutschen fühle sich nicht oder noch nicht "hinreichend als Bundesbürger integriert". Diese Haltung zur Bundesrepublik werde vor allem durch die gegenwärtige wirtschaftliche Situation und den damit verbundenen sozialen Status sowie geringe Zukunftserwartungen beeinflusst, erklärte Winkler. Nur rund ein Drittel der über 35-Jährigen fühle sich "hinsichtlich ihres Lebens in der DDR" anerkannt, ein weiteres Drittel "teilweise". Weniger ZufriedenheitZehn Prozent der Befragten wollten die DDR wiederhaben. Arbeitslose wollten zu 26 Prozent, Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen zu 24 Prozent die DDR wiederhaben. Hingegen fühlten sich 25 Prozent der Menschen in den neuen Bundesländern als "richtige Bundesbürger". Der Umfrage zufolge ist 20 Jahre nach der friedlichen Revolution knapp die Hälfte der Ostdeutschen mit dem Leben zufrieden. So zeigten sich 40 Prozent der Befragten "zufrieden" und vier Prozent "sehr zufrieden". Nach 1990 habe die Zufriedenheit zunächst rapide zugenommen, seitdem sei sie aber intervallartig gesunken. Während im Jahr 1989 rund 40 Prozent der Befragten ihre wirtschaftliche Situation als gut bewerteten, seien es 2009 nur noch 32 Prozent gewesen, sagte Winkler weiter. Trotz Wirtschaftskrise würden jedoch die Aktivitäten der Bundesregierung wie etwa das Kurzarbeitergeld oder angekündigte Rentenerhöhungen "honoriert". Mit "besser als 1989/90" würde vor allem das erreichte Waren- und Dienstleistungsangebot (72 Prozent), veränderte Wohnverhältnisse (62 Prozent) und die Reisefreiheit (61 Prozent) bewertet. epd/roe