Zum anderen sahen viele in ihm noch den unscheinbaren Vorsitzenden der sozialistischen Partei, die unter ihm zwei Präsidentenwahlen verlor.

Doch am Sonntag gewann der 57-Jährige seine bisher wichtigste Wahl: Seine Parteianhänger machten ihn mit gut 56 Prozent der Stimmen zum Präsidentschaftskandidaten.

Elf Jahre lang hatte Hollande die stärkste französische Oppositionspartei geführt. Vor knapp drei Jahren gab er den Vorsitz ab und konzentrierte sich auf seine Ämter als Abgeordneter und Regionalrat von Corrèze im südwestlichen Landesinneren. Auch in seiner Rede nach dem Wahlsieg vom Sonntag gab sich Hollande bodenständig: „Ich will der Kandidat des Respekts, des Dialogs und der Demokratie sein, der Kandidat, der eine andere Präsidentschaft erwarten lässt“, sagte er. Außerdem will er die Sozialisten einen – dabei setzt er auch auf die Unterstützung der in der Stichwahl unterlegenen Parteichefin Martine Aubry.

Der 57-Jährige wirbt damit, ein „normaler“ Präsident sein zu wollen – anders als der mit großer Geste auftretende Sarkozy. Tatsächlich täuschte Hollandes harmloses Auftreten lange darüber hinweg, was in ihm steckt. Dabei absolvierte der Sozialist gleich drei Eliteunis: Sciences Po, die Handelsschule HEC und die Verwaltungshochschule ENA. Schon als 20-Jähriger arbeitete er im Wahlkampfteam von François Mitterrand mit, der ihn nach seinem Wahlsieg 1981 mit einem Posten im Elyséepalast bedachte. Zusammen mit Hollande ging seine damalige Lebensgefährtin Ségolène Royal ins Präsidialbüro. Hollande und Royal lebten mehr als zwanzig Jahre zusammen und haben vier Kinder. Sie trennten sich vor vier Jahren, nachdem Royal bei der Präsidentschaftswahl gegen Sarkozy verloren hatte.