Eine wirksame Therapie kommt oftmals zu spät. Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse der Studie im Überblick:

Wie entsteht die Erkrankung?

Parodontose wird durch Belege auf den Zähnen und in den Zwischenräumen ausgelöst. Für den Laien ist allerdings kaum erkennbar, ob es sich um Schlimmeres als nur eine Zahnfleischentzündung handelt, zumal sie zunächst weitgehend schmerzfrei ist. Erste Warnsignale, die ärztlich abgeklärt werden sollten, sind Zahnfleischbluten, Schwellungen, Rötungen sowie Mundgeruch.

Nehmen Betroffene die Symptome ernst?

Offenbar sehr unzureichend. Laut Studie lässt sich nur die Hälfte der erwachsenen Versicherten, das sind 34 Millionen Personen, innerhalb von zwei Jahren auf Parodontose untersuchen, lediglich 1,2 Millionen durchlaufen eine Therapie. Bei rund jedem dritten Therapierten gehen innerhalb von vier Jahren trotzdem Zähne verloren. "Die Parodontitis-Therapie scheint für viele Patienten spät oder zu spät zu kommen. Dabei ist sie eigentlich hilfreich", schlussfolgert Barmer-Chef Christoph Straub. Offenkundig wird auch eine intensive Nachsorge vernachlässigt. Die ist laut Straub aber unbedingt nötig, weil es sich bei Parodontose um eine chronische Erkrankung handelt.

Wie verläuft eine Behandlung?

Nach einer Hygienephase werden harte und weiche Beläge in den Zahnfleischtaschen entfernt und die Wurzeloberflächen geglättet. Je nach Schwere der Fälle sind ein bis vier Sitzungen beim Zahnarzt erforderlich. Mitunter werden auch chirurgische Eingriffe notwendig.

Gibt es regionale Unterschiede?

Ja. So hat sich im Jahr 2015 fast jeder dritte Versicherte in Bayern auf Parodontose untersuchen lassen. Im Saarland war es dagegen nur jeder Fünfte. Bei der Therapie wiederum ist Nordrhein-Westfalen Spitzenreiter. 2,1 Prozent der Versicherten machten davon Gebrauch. Schlusslicht ist auch hier das Saarland mit lediglich 0,9 Prozent. Alle anderen Bundesländer liegen zwischen 1,9 und 1,2 Prozent. Für diese Unterschiede gibt es in der Barmer-Studie allerdings keine Erklärung.

Wer ist besonders gefährdet?

Nach allen Untersuchungen sind Zuckerkranke die größte Risikogruppe. Die Gefahr, auch nach einer Parodontose-Therapie Zähne zu verlieren, liegt bei jungen Zuckerkranken doppelt so hoch wie bei gleichaltrigen Nicht-Diabetikern. Gleichzeitig schlägt bei ihnen auch die Therapie schlechter an. Umso wichtiger sind bei Zuckerkranken regelmäßige Kontrollen und spezielle Untersuchungen auf beginnende Zahnbettentzündungen. Die Barmer fordert deshalb, im Rahmen des bereits existierenden Chronikerprogramms (DMP) für Diabetiker auch die Zahnvorsorge aufzunehmen. In diesem speziellen Behandlungsprogramm sind zum Beispiel regelmäßige Augenuntersuchungen enthalten.

Was leisten die Kassen zur Prophylaxe?

Die Kassen zahlen jedes halbe Jahr eine allgemeine Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt, einmal pro Jahr die Entfernung von Zahnstein und alle zwei Jahre eine Parodontose-Untersuchung. Wer nicht jährlich zur Kontrolle gehe, der verdopple sein Risiko, Zähne zu verlieren, so Barmer-Chef Straub. Tatsächlich schöpfen viele Versicherte diese Möglichkeiten nicht aus. 2015 gingen im Schnitt nur 71,9 Prozent überhaupt zum Zahnarzt. Am häufigsten taten das die Thüringer (77,9). Schlusslicht ist auch hier wieder das Saarland mit nur 65,1 Prozent.