Im kommenden Jahr muss sich Brandenburgs Landtag mit der Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ beschäftigen, die knapp 34 000 Unterschriften gesammelt hat. Sie wendet sich gegen Goßmastanlagen und fordert eine Agrarwende zur artgerechten Tierhaltung. Doch damit allein lasse sich der Fleischkonsum der Bundesbürger nicht befriedigen, betont Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Volksinitiative wendet sich gegen Großbetriebe wie die Hähnchenmast in Gumtow in der Prignitz oder die geplante Schweinemastanlage im uckermärkischen Haßleben. Wie werden Sie sich dazu stellen?

Wir haben in Deutschland einen Pro-Kopf-Verbrauch von 87 Kilogramm Fleisch pro Jahr. 52 Kilo davon sind Schweinefleisch und wir müssen sehen, wo und wie wir das produziert bekommen. Selbstverständlich muss das streng kontrolliert werden. Zudem müssen die Tierwohl-Standards verbessert und bei der Förderung von neuen Betrieben muss dafür gesorgt werden, dass der Standard dann über dem älterer Anlagen liegt. Wir müssen die Akzeptanz in der Bevölkerung verbessern, und das wird eine Riesen-Herausforderung.

Die Initiative wendet sich aber grundsätzlich gegen solche Riesenställe!

Das wird bei einem so hohen Pro-Kopf-Verbrauch schwer zu realisieren sein und daher müssen wir darauf achten, dass die Standards eingehalten werden. Eine Förderung gibt es nur, für Vorhaben mit besonders tiergerechter Haltung. Vor allem geht es um ein größeres Platzangebot für die Tiere, insbesondere Schweine. Ansonsten gibt es keine Förderung.

Angesichts der jüngsten Anzeigen gegen einen Entenmastbetrieb in Ostbrandenburg und zahlreicher ähnlicher Fälle: Reichen die bestehenden Kontrollen denn überhaupt aus, um solche schlimmen Zustände in den Großmastbetrieben zu unterbinden?

Ich stehe für das Interesse der vielen Landwirte, die die Standards für eine artgerechte Nutztierhaltung in ihren Betrieben mit hoher Professionalität umsetzen. Es ist angesichts von vielen aufgedeckten Skandalen sehr wichtig, dass die geltenden hohen Auflagen auch wirksam kontrolliert werden. Bei Verstößen muss es zu Sanktionen kommen - bis hin zu Betriebsschließungen.

In der kommenden Förderperiode der EU gibt es ab 2015 weniger Geld für die Agrarförderung. Was ändert sich für die Landwirte?

Wir haben für Brandenburg noch 85 Prozent der Mittel der alten Förderperiode durchsetzen können, das sind in den kommenden neun Jahren 966 Millionen Euro. Und die werden wir aktiv für den ländlichen Raum einsetzen. Es ist ja in den letzten Jahren schon viel getan worden, und so bin ich zuversichtlich, dass wir damit gut weiterarbeiten können.

Wie wird das Geld verteilt?

Jeweils zu einem Drittel geht es in die ländliche Entwicklung, also Dorferneuerung, wie zum Beispiel in den Erhalt des ländlichen Erbes und in die Verbesserung der Infrastruktur. Im zweiten Paket sind die Umweltmaßnahmen wie auch die Unterstützung der Bio-Betriebe. Hierzu gehören auch die in Brandenburg so wichtigen Vorhaben im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz.

Und dann setzen wir ein Drittel für die Unterstützung von landwirtschaftlichen Betrieben ein. Wir können damit im ländlichen Raum für Arbeit sorgen. Wir haben 39 400 Beschäftigte in der Landwirtschaft - das sind acht Prozent mehr als 2010, als ich als Agrarminister angefangen habe. Zudem ist Brandenburg im bundesweiten Spitzen-Trio der Länder mit über zehn Prozent ökologischem Anbau.

Welche Landwirte können davon besonders profitieren?

Es kommt uns darauf an, dass wir eine möglichst breit angelegte Förderung haben. Wir haben immerhin 5600 landwirtschaftliche Betriebe, die müssen wir stärken. Dreiviertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind Äcker mit schlechten Bodenwerten. Dafür zahlen wir Ausgleichszulagen, um die Landwirtschaft flächendeckend zu erhalten. Das waren allein in diesem Jahr 18,5 Millionen Euro. Und wir fördern besonders die Ansiedlung von Junglandwirten.