Seit gestern gilt eine erhöhte Sicherheitsstufe. Die Landesdirektion hat Stallpflicht für das Geflügel im ganzen Freistaat angeordnet.

Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) will damit einer Einschleppung der Geflügelpest "vorsorglich und konsequent entgegenwirken". Die Schritte seien angemessen, so Klepsch, denn die Gefahr einer Einschleppung werde als hoch eingeschätzt.

Bei einer am Freitag am Cospudener See bei Leipzig gefundenen Reiherente hat sich der Verdacht bestätigt. Das Tier war mit dem aggressiven Virus H5N8 infiziert. Somit gilt der Ausbruch der Geflügelpest in Sachsen als amtlich festgestellt. Am Wochenende zogen die Behörden einen drei Kilometer breiten Sicherheitsring um den See. Im Umkreis von zehn Kilometern wurden Haustiere untersucht.

Mit dem H5N8-Virus hat Sachsen in der Vergangenheit dramatische Erfahrungen gemacht. Die erste große Vogelgrippe-Welle im April 2006 zog sehr schnell sächsische Geflügelhöfe in Mitleidenschaft.

Als der Virus damals im Gänsezuchtbetrieb von Lorenz Eskildsen in Wermsdorf (Kreis Nordsachsen) auftauchte, überließen die Behörden nichts dem Zufall. Im Umkreis von drei Kilometern mussten alle Hennen, Enten, Tauben und Gänse getötet werden - insgesamt an die 16 000 Tiere. Züchter Eskildsen verlor seinen gesamten Bestand. Der Virus hatte es damals in die Zucht geschafft, obwohl in der Nähe gefundene verendete Wildenten ihn nicht trugen. Gerade jetzt ist wieder Hochsaison bei Eskildsen. 15 000 Gänse will der Züchter bis Weihnachten schlachten. In den insgesamt vier sächsischen Gänsezuchtbetrieben werden laut Landwirtschaftsstatistik in dieser Saison rund 440 000 Tiere geschlachtet - bundesweit sind es eine Million. Sachsen nimmt in der Gänsezucht deutschlandweit den ersten Platz ein.

Im Bundeslandwirtschaftsministerium hat der Krisenstab Tierseuchen ein einheitliches Vorgehen für die Länder erarbeitet. Stallpflicht soll demnach insbesondere in Feuchtgebieten gelten, ebenso dort, wo sich Geflügelbetriebe ballen und wo Wildvögel rasten.

Auch in Brandenburg, wo es bislang keine Fälle von Vogelgrippe gibt, gelten bereits Risikogebiete. In der Uckermark und im Barnim soll ab spätestens Mittwoch generelle Stallpflicht für alle Geflügelhalter gelten. Das teilten die zuständigen Amtstierärzte am Montag mit.

Seit Freitag gilt die Stallpflicht in einem einen Kilometer breiten Randstreifen um die Niederung der Unteren-Havel-Wasserstraße (Havelland), den Uferbereich der Peitzer Teichlandschaft (Spree-Neiße) und den Nationalpark Unteres Odertal (Uckermark).

Das Landwirtschaftsministerium in Potsdam sprach von einer Vorsichtsmaßnahme, wegen der Nähe zu Mecklenburg, wo der Vogelgrippe-Virus nachgewiesen wurde.

Zum Thema:
Alle 30 000 Hühner einer von der Vogelgrippe betroffenen Massentierhaltung bei Schleswig sind bis zum Montagmorgen getötet worden. Das teilte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Kiel mit. In dem Bestand war die aggressive H5N8-Variante nachgewiesen worden, die seit einiger Zeit unter Wildvögeln kursiert. Kiel verschärft im Kampf gegen die Vogelgrippe zudem die Schutzmaßnahmen. So werden von Donnerstag an auch für kleinere Betriebe mit weniger als 1000 Tiere strenge Anforderungen gelten, kündigte das Ministerium an. Zu den sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen gehört, in Ställen gesonderte Schutzkleidung inklusive Schuhwerk tragen zu müssen. Transportmittel wie Fahrzeuge und Behältnisse sind außerdem nach jeder Verwendung sofort zu reinigen und zu desinfizieren. Hunde und Katzen sind von den Stallungen fernzuhalten.