Die Vogelgrippe-Welle in Sachsen ist abgeebbt. Derzeit gebe es keine neuen Nachweise des H5N8-Virus mehr, teilte das Verbraucherschutzministerium mit. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre sei anzunehmen, dass der Seuchenzug nun durch sei. Die landesweite Stallpflicht wurde im März aufgehoben, nur in einzelnen sogenannten Restriktionszonen gilt sie weiter. Wie viele Tiere dem Virus in Sachsen zum Opfer gefallen sind, könne nicht genau gesagt werden, weil die Zahl nicht erfasst werde. Von November bis März seien in der Landesuntersuchungsanstalt rund 4300 Proben von toten Vögeln untersucht worden.

„Die Geflügelpest war in den vergangenen Monaten eine außergewöhnliche Belastung für alle“, erklärte Ministerin Barbara Klepsch (CDU). Wie hoch der Schaden für die Geflügelhalter durch die Vogelgrippe sei, lasse sich schwer beziffern, sagte Günther Drobisch, Geschäftsführer des sächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes. Es habe in Sachsen Einbußen gegeben, jedoch geringere als etwa im Agrarland Niedersachsen. Bundesweit werde der Schaden auf etwa 40 Millionen Euro geschätzt.

Probleme hätten vor allem Halter von Freiland-Legehennen wegen der Stallpflicht bekommen. Diese galt vom 14. November bis zum 20. März. Nach dem Ablauf einer Zwölf-Wochen-Frist dürfen Eier gemäß EU-Vorschriften nicht mehr als Freiland-Eier deklariert werden. Die Erzeuger mussten auf die Eier eine „2“ stempeln, was für Bodenhaltung steht. Ein Ei aus Freiland-Haltung sei etwa vier Cent teurer als eines aus Bodenhaltung, hieß es.

Drobisch sagte, in Sachsen habe es jedoch regionale Lösungen gegeben, um Eier weiter als Freiland-Eier vermarkten zu können. Teilweise habe sich auch der Handel solidarisch gezeigt. Er verkaufte die Eier zwar zum Bodenhaltungspreis an die Kunden, zahlte den Erzeugern aber Freilandpreise. In Sachsen gebe es rund 3,1 Millionen Legehennen, knapp zehn Prozent davon lebten im Freiland.

Entschädigungen aus der Tierseuchenkasse bekämen die Legehennenhalter nicht. „Eier sind keine Tiere“, sagte Drobisch. Lediglich eine Bio-Putenzucht in Rackwitz (Nordsachsen) habe einen Anspruch auf Ausgleich. Es war der einzige Großbetrieb mit einem H5N8-Ausbruch, dort mussten 6500 Puten getötet werden.

Sehr problematisch sei eine Stallpflicht für die Gänsezüchter, sagte Drobisch. Die robusten Tiere wüchsen typischerweise im Freien auf, ihre Halter hätten meist gar keine Ställe in ausreichender Größe. Der Bundesverband bäuerliche Gänsehaltung hat perspektivisch bereits eine Ausnahme der Gans von der Stallpflicht gefordert.