Die wirklich heißen Sachen passieren wiederum unten in Stadt und Dorf. Was auch am Personal liegt. Denn den hemdsärmeligen, ungebügelten Politiker, es gibt ihn nur noch draußen in der Prärie. Den Dorfschulzen, der beim Schützentanz Runde auf Runde schmeißt und dabei Sachen sagt, die ganz schön oho sind, und dabei der Kellnerin ans Wadl greift, was glücklicherweise keiner gesehen hat, nur der Lokalreporter. Den Politiker halt, der ungefiltert ins Mikro rotzt, was Phase ist, wofür er sich eigentlich hinterher entschuldigen müsste, was er aber nicht tut, er muss nämlich schnell zum Unternehmerstammtisch. Solche Geschichten wollen wir. Vive le ländlicher Raum!

Hat es besagter Politikertyp erstmal ans Landesparlament geschafft, wird er zahmer. Der Spin-Doctor nordet ihn ein, der Pressesprecher hält ihn an der Leine, die Büroleiterin kauft ihm einen Anzug. In dem steht er dann irgendwann am Pult im Hohen Hause und sagt Sätze wie "Ich danke dem Minister für diese Verordnung . . . " oder "Liebe Kollegen von der CDU, Sie waren es doch, die . . . " oder "Meine Fraktion hat schon vor fünf Jahren einen entsprechenden Verordnungsentwurf eingebracht . . . " oder "Lieber Herr Minister, mit dieser Verordnung sind Sie mal wieder als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet . . . ".

Die Landtags-Newcomer von der AfD wollten so vieles anders machen im Landtag. Freier, unangepasster, alternativ eben. Inzwischen tragen sie auch Anzüge. Neulich aber gelang ihnen nochmal ein zünftiges Anti-Statement. Weil ihnen bei der Wahl der Richter für den Sächsischen Verfassungsgerichtshof eine Kandidatin nicht gefiel, wählten die 14 AfD-Abgeordneten einfach nicht mit. Doch das System rächte sich prompt. Jedem von ihnen gingen dadurch 30 Euro flöten.