Eine zentrale Geschäftsstelle für die sieben sächsischen Berufsakademien hatte die CDU-SPD-Regierung bereits beschlossen. Jetzt soll das entsprechende Gesetz folgen. Das kündigte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) gestern in Dresden an.

Die Berufsakademien sollen als Institutionen gestärkt werden und mehr Eigenverantwortung bekommen. Die Direktorenkonferenz der Berufsakademien soll in den sieben Häusern in Bautzen, Breitenbrunn, Dresden, Glauchau, Plauen, Leipzig und Riesa mehr freie Hand bekommen.

Damit bekommen die Berufsakademien Strukturen ähnlich denen der Hochschulen: Ein Präsident wird die Direktorenkonferenz leiten, ein Kanzler sich um Haushalt und Personal kümmern. Die Akademien dürfen laut Gesetzentwurf nun Drittmittel einwerben, ihre Dozenten werden als Professoren berufen. Auch die Studis können es denen an den Unis gleichtun, sie können zur Not auch die Regelstudienzeit überziehen. Die neue zentrale Geschäftsstelle wird in Glauchau eingerichtet. Ministerin Stange verspricht sich davon eine "bessere administrative Führung und eine effizientere Interessenvertretung" der Einrichtungen.

All diese Neuerungen hatte der Wissenschaftsrat bereit 2014 empfohlen. Die Berufsbildung muss attraktiver werden für Jugendliche mit gutem Schulabschluss. Denn die streben immer mehr ins Studium. Die akademische Laufbahn gilt als aussichtsreicher, deshalb macht inzwischen fast die Hälfte eines Jahrgangs Abitur. 2015 waren es 48 Prozent, was noch unter dem Bundesdurchschnitt von 55 Prozent liegt. Ohnehin haben sich die Anforderungen an die Arbeitswelt stark akademisiert. Erzieherinnen werden an Fachhochschulen ausgebildet, demnächst auch Pflegekräfte. Die klassische duale Berufsausbildung steht dabei in harter Konkurrenz. Auch an den Berufsakademien schreiben sich immer weniger ein. Aktuell haben sie 4100 Studis, 2010 waren es noch 5100. Deshalb nun die Gesetzesnovelle, mit denen Schwarz-Rot die Berufsakademien im Wettbewerb halten will.

Die Berufsakademien bieten praxisnahe duale Ausbildung für Berufe in Wirtschaft, Technik und Sozialem in akademischem Umfeld. Lokale Unternehmen, die an den Häusern beteiligt sind, ziehen hier ihren Nachwuchs heran. Ein Vorteil für die Absolventen ist die hohe Übernahmequote. Nahezu jeder finde nach dem Studium einen Arbeitsplatz, betont Ministerin Stange. Insbesondere in Sozial- und Gesundheitsberufen. An den Berufsakademien studieren abgeschlossene Meister ebenso wie Gesellen. Sie bekommen nach drei Jahren einen Bachelor-Abschluss, auf den sie dann den Master an einer Hochschule draufsatteln können.

Den Gesetzentwurf will Stange noch im Oktober in den Landtag einbringen, damit er im Frühling 2017 in Kraft treten kann.