"Bist du Klitschko?", fragt Maxim von ganz unten. Aus dem Blickwinkel des Vierjährigen muss Vitali Klitschko noch riesiger wirken, als er mit 2,02 Meter ohnehin ist. Der Ex-Boxweltmeister lacht. Und als imagebewusster Politiker nimmt er den Jungen, der seine Großmutter in ein Kiewer Wahllokal begleitet, auf den Arm. "Mein Sohn heißt auch Maxim", sagt er.
Die Sportlegende Vitali Klitschko, der Bürgermeister von Kiew werden möchte, ist der Star des Wahlsonntags in der Ukraine. In dem Wahllokal im Institut für Architekturforschung sammeln sich mehr Fernsehkameras als bei Präsident Viktor Juschtschenko. Bei der Stimmabgabe gibt sich der 34-jährige Klitschko mit Frau Natalja an der Seite siegessicher: "Es ist wie im Sport. Wenn du an deinem Sieg zweifelst, hast du schon verloren."
In der Eingangshalle des Forschungsinstituts stauen sich die Wähler. Jede Stimmabgabe dauert lange, schließlich sind vier Zettel für Wahlen vom Stadtrat bis zum nationalen Parlament auszufüllen. Und auf jedem der 70 Zentimeter langen Zettel stehen bis zu 45 Parteien. Eine ältere Frau sitzt auf einem Stuhl und malt ganz offen ihre Kreuzchen, ihr ist das alles zu kompliziert. Klitschkos Kopf ragt über den blauen Vorhang der Wahlkabine hinaus.
Den Wahlkampf bestritt der Politikerlehrling mit Kritik an der Korruption in der Kiewer Stadtverwaltung. Doch Experten zweifelten vor der Wahl an seinem Sieg über Amtsinhaber Alexander Omeltschenko. Neben dem Bürgermeisteramt bewarb sich Klitschko für das Parlament als Spitzenkandidat von Pora, der Partei der jugendlichen Aktivisten der "Orangenen Revolution". Pora lag in Umfragen dicht an der Drei-Prozent-Hürde. Ähnlich wie Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko setzte Klitschko auf die Stimmen enttäuschter Fans der Revolution, für die Präsident Juschtschenko zu viele Kompromisse eingegangen ist.
Bei jungen Leuten kommt der Ex-Boxer an. "Ein starker Typ", schwärmt der Ingenieurstudent Wladimir Peretjatko. "Die Jugend unterstützt ihn." Klitschko sagt, seine Wahl für die Politik sei gefallen: "Ich habe meine Zukunft mit der Ukraine, mit Kiew verbunden."