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Visionen für Lausitzring werden konkret

Volker Noeske, Leiter des Dekra Technology Centers, erläutert die Zukunftspläne für den Lausitzring in Klettwitz.
Volker Noeske, Leiter des Dekra Technology Centers, erläutert die Zukunftspläne für den Lausitzring in Klettwitz. FOTO: dpa
Klettwitz. Selbstfahrende Autos im Test: Das ist der Zukunftsplan auf dem Lausitzring-Areal. Die Wirtschaft sieht in den Dekra-Plänen einen Gewinn für die Region, die mitten im Strukturwandel steckt. Motorsport-Events – so deutet es sich zumindest an – wird es vermutlich weiterhin auf dem Areal geben. Anna Ringle

Als unlängst die Nachricht vom Verkauf des Lausitzrings an die Prüfgesellschaft Dekra bekannt wurde, fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Motorsportfans bangten, dass mit Autorennen nun Schluss sein könnte. Aus der Wirtschaft kam dagegen viel positive Resonanz, weil mit einem Schub für die Region gerechnet wird. Die Pläne, wie es auf dem Lausitzring-Areal einmal zugehen wird, werden konkreter.

Die Prüfgesellschaft Dekra will das größte Testzentrum Europas für automatisiertes Fahren hier in Südbrandenburg schaffen, wie der Leiter des Dekra Technology Centers, Volker Noeske, am Dienstag in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) erläutert. Zum Verkauf gehörten nicht nur die Rennstrecke, sondern auch Flächen im direkten Umfeld. Diese seien im ursprünglichen Bebauungsplan bereits als mögliche Erweiterungsflächen vorgesehen gewesen.

Insgesamt wird das Dekra-Areal nach der Übernahme 540 Hektar groß sein - also um noch gut ein Drittel größer als der stillgelegte Tempelhofer Flughafen in Berlin mit 386 Hektar. Auf den zusätzlichen Flächen könnten sich Partner-Firmen ansiedeln, so Noeske.

Die Prüfgesellschaft will zudem ihre Mitarbeiterzahl kräftig aufstocken und verdoppeln. Derzeit seien knapp 100 Menschen, darunter Ingenieure und Techniker, im bereits bestehenden Testcenter neben der Rennstrecke beschäftigt, sagt Noeske. Ziel sei, dass es rund 200 werden.

Zwei Drittel der Mitarbeiter des Lausitzrings will die Prüfgesellschaft übernehmen, die dann bei den angepeilten rund 200 Mitarbeitern inbegriffen sein werden. Die Zwei Drittel beziehen sich auf 33 unbefristete Stellen, die es zum Zeitpunkt der Übernahme am 1. November am Lausitzring gibt, wie Dekra hinzufügt. Derzeit arbeiten noch zusätzlich Saisonkräfte dort. Unlängst bezifferte der Ex-Eigentümer des Lausitzrings die Mitarbeiterzahl auf 43. Für einige Mitarbeiter der Eurospeedway Verwaltungs GmbH bedeutet der Verkauf den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde bereits einigen Mitarbeitern dieser Firma gekündigt.

Dass mit dem Motorsport und Großveranstaltungen durch die neue Ausrichtung Schluss sein könnte, deutet sich derzeit nicht an. Es gibt bereits Gespräche mit Dritten für das nächste Jahr, wie es von der Prüfgesellschaft heißt. Dekra selbst will künftig nicht Veranstalter sein, ist aber für Anfragen von außen offen.

Nach Dekra-Angaben gehen alle Beteiligten derzeit davon aus, dass das Motorsport-Festival mit dem Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) und dem ADAC GT Masters auch im nächsten Jahr auf dem Lausitzring ausgerichtet werden kann.

Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze umschreibt es am Dienstag beim Besuch des Dekra Technology Centers so: Aus der Renn- und Teststrecke werde eine Test- und Rennstrecke. Die Errichtung des Lausitzrings war ein Großprojekt in Brandenburg gewesen. Er eröffnete im Jahr 2000. In das Renn- und Testgelände waren Landes-Fördermittel von mehr als 120 Millionen Euro geflossen.

Es gab damals sogar die Hoffnung, dass die Formel 1 anbeißen könnte. Aber daraus wurde nichts. Jetzt nach 17 Jahren hätte der Lausitzring saniert werden müssen. Weil dafür aber ein Millionenbetrag nötig gewesen wäre, entschied sich der Besitzer Eurospeedway Lausitz Verwaltungs GmbH nach eigenen Angaben dazu, auf das Dekra-Kaufinteresse einzugehen.

Das Testgelände will Dekra neben eigenen Tests auch externen Nutzern zur Verfügung stellen. Geplant sind Autobahnkurse im bereits bestehenden Dekra-Testoval am Center. Landstraßenkurse sollen auf Umgehungsstraßen entstehen, zudem sind mehrere Citykurse geplant. Dafür werden auch "Geisterstädte", also Kulissen gebaut, die mobil versetzt werden können. Damit soll dann getestet werden können, ob das automatisierte Fahren in der Umwelt funktioniert.

Im eigentlichen Lausitzring werden neue Streckenvarianten geschaffen, wie Noeske erläutert. Grundsätzlich soll der Ring für Großveranstaltungen weiter nutzbar sein. Auch die Zuschauertribünen sollen bleiben.

Dekra will neben den Tests das Gelände im Parallelbetrieb auch für Händlerschulungen, Produkteinführungen und Hersteller-Trainings nutzen. Dabei sei man auch auf Partner in der Region wie Hotels angewiesen, wenn es zum Beispiel um Betten für Tagesgäste gehe, betont Noeske. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) betont am Dienstag bei seinem Besuch in Klettwitz, dass er "außerordentlich froh" darüber sei, dass Dekra das Gelände gekauft hat. Das Land wolle die Ansiedlung von Partnern mit allen Mitteln unterstützen. Gerber geht davon aus, dass in der Region hochqualifizierte Ingenieurjobs entstehen werden.

Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Cottbus (IHK), Wolfgang Krüger, sieht in den Dekra-Plänen eine "Initialzündung" in der Lausitz mit Blick auf den Strukturwandel und die schwindende Bedeutung der Braunkohle. "Jetzt haben wir ein Leuchtturmprojekt."

Zum Thema:
Der Eurospeedway Lausitz wurde am 20. August 2000 eingeweiht. Das Motodrom kostete 150 Millionen Euro. Brandenburg steuerte davon 123 Millionen Euro Fördermittel bei. Die Krise der Bankgesellschaft Berlin als Mehrheitseigentümer stürzte den Lausitzring 2002 in die Insolvenz. Nach vergeblichen Versuchen, ihn zu verkaufen, wurde 2004 mit der Eurospeedway Lausitz GmbH ein Pachtvertrag abgeschlossen, der 2008 auslief. Die Landesregierung beschloss, das Unternehmen mit 5,5 Millionen Euro für Investitionen und die Betriebsführung zu unterstützen. 2009 hatte die Betreibergesellschaft Eurospeedway Verwaltungs GmbH den Betrieb des Lausitzrings übernommen. (jag/kr)

Die Rennstrecke im Juli 2017 aus der Perspektive einer Drohne. Ab dem 1. November übernimmt die Dekra den Lausitzring .
Die Rennstrecke im Juli 2017 aus der Perspektive einer Drohne. Ab dem 1. November übernimmt die Dekra den Lausitzring . FOTO: dpa