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Vision von der „Industrie 4.0“ aus Kamenz

Auch in der Hightechproduktion ist Handarbeit gefragt: Marion Sarodnick bereitet eine Baugruppe für die Montage vor.Jens Kockel unterzieht die Isolationsfähigkeit von Bauteilen einem Test.
Auch in der Hightechproduktion ist Handarbeit gefragt: Marion Sarodnick bereitet eine Baugruppe für die Montage vor.Jens Kockel unterzieht die Isolationsfähigkeit von Bauteilen einem Test. FOTO: U. Menschner
Kamenz. Daimler beschleunigt Elektromobil-Offensive und investiert weiter in der Stadt. Die neue Accumotive-Fabrik steht aber noch für mehr. Uwe Menschner

Vorsicht, Hochspannung. Mit diesem Warnhinweis empfängt die Deutsche Accumotive für gewöhnlich Besucher in ihren Werkshallen. Geht es doch hier um elektrische Energie im Höchstleistungsformat - um Batterien, die einmal die Zukunft der Automobilindustrie bestimmen sollen. Die Daimler AG, zu deren Konzerngeflecht die Accumotive gehört, bezeichnet sich gern als Vorreiter der Elektromobilität. Und das nicht zu Unrecht: "Bis heute haben wir mehr als 80 000 Batterien auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie geliefert", erklärt Geschäftsführer Frank Blome.

Eine beeindruckende Zahl - und doch nur "Peanuts" im Vergleich zu dem, was Daimler in Kamenz noch vorhat. Denn: Bis zum Jahr 2022 - so weit reichen die aktuellen Planungen - will der Konzern den Ausstoß seiner Energiespeicher um ein Vielfaches steigern. Fuhr bislang lediglich der Smart mit den in Kamenz produzierten Batterien, so soll bis zum Jahr 2022 eine Flotte von zehn Fahrzeugtypen auf Elek-trizität abfahren - vom bereits erwähnten Cityflitzer bis hin zum großen SUV. Zehn Milliarden Euro fließen in den nächsten Jahren in den Ausbau der Elektroflotte. Auf bis zu 25 Prozent soll der Anteil der Elektrofahrzeuge bis 2025 anwachsen. Ausgehend von der Produktionszahl des Jahres 2015 (drei Millionen) wären das jährlich 750 000 Fahrzeuge, für die Batterien benötigt würden.

Entsprechend beeindruckend stellen sich auch die Dimensionen des neuen Werkes dar, das Daimler gegenwärtig vor den Toren von Kamenz für seine Elektro-Tochter baut: Es umfasst 80 000 Quadratmeter - und damit dreimal mehr Fläche als das schon seit 2012 bestehende Werk I im Gewerbegebiet "Am Ochsenberg." 16 Fußballmannschaften könnten darauf gleichzeitig kicken, wenn man von den Standardmaßen eines Spielfeldes ausgeht.

Das neue Accumotive-Werk soll allerdings mehr sein als "nur" eine der modernsten Fertigungsstätten für Batterien weltweit. Hier - in Kamenz - will der Weltkonzern Daimler die Vision von der "Industrie 4.0" in die Tat umsetzen - einer Industrie, in der Mensch und Maschine in einer Form zusammenarbeiten, als seien sie eins. Ein Beispiel dafür bot im Rahmen der Grundsteinlegung am Montag die Auszubildende Nina Meier aus dem Daimler-Werk Sindelfingen, die mithilfe eines Robotergreifarms eine Batterie passgenau im Fahrzeug platzierte. "Die intelligente Vernetzung von Mensch und Maschine in der gesamten Wertschöpfungskette ist für Daimler ein wichtiges Thema", unterstreicht Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche.

Und noch einen weiteren Aspekt will Daimler im neuen Kamenzer Accumotive-Werk auf vorbildliche Weise berücksichtigen: die Nachhaltigkeit. "Das Streben nach Nachhaltigkeit bildet den Antrieb für die Entwicklung der Elektromobilität. Doch auch bei der Produktion setzen wir darauf: So versorgen ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaik-Anlage in Verbindung mit stationären Batteriespeichern die Produktionsanlagen mit Energie", wie Geschäftsführer Frank Blome betont. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die an der Grundsteinlegung am Montag teilnahm, hat es sicher mit Freude vernommen: Erscheint doch das einst verkündete Ziel, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen, vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung als sehr ambitioniert. "Wir halten an diesem Ziel fest, und Investitionen wie die von Daimler in Kamenz helfen beim Erreichen", so die Kanzlerin. Schließlich bilde die Elektromobilität einen wichtigen Bestandteil der angestrebten Energiewende. "Die intelligente Vernetzung von Mensch und Maschine in der gesamten Wertschöpfungskette ist für Daimler ein wichtiges Thema"